07. März 2017 Abfall & Recycling

Interview: Müllfrei leben – wie geht das?

Franziska aus Frankfurt will möglichst gar keinen Abfall verursachen. Geht das überhaupt? ÖkoLeo hat nachgefragt.

ÖkoLeo: Du sagst, dass du „müllfrei“ leben willst. Heißt das, bei dir bleibt die Mülltonne leer?

Franziska: „Müllfrei“ bedeutet für mich, keinen unnötigen Müll zu produzieren. Das gilt besonders im Alltag. Unterwegs nehme ich zum Beispiel einen Becher mit, um mir Kaffee zum Mitnehmen einfüllen zu lassen. Ich habe auch immer einen Jutebeutel für den Einkauf bei mir.

Aber natürlich fällt auch bei mir Müll an, zum Beispiel Biomüll und auch manchmal Verpackungsmüll. So ganz ohne geht es bei mir noch nicht.

Porträtfoto von unserer Interviewpartnerin.
Franziska versucht im Alltag möglichst wenig Müll zu produzieren. (Bild: Kathi Krechting)

ÖkoLeo: Warum machst du das?

Franziska: Hauptsächlich, um die Umwelt zu schützen. Aber auch, um gesund zu essen.

Mich nervt es zum Beispiel, wenn ich im Wald oder auf der Straße unterwegs bin und dort den ganzen Müll herumliegen sehe. Ein Teil des Mülls landet irgendwann wieder bei uns! Manche Plastikteile beispielsweise gelangen irgendwann ins Meer, und dort fressen sie die Tiere. Wenn wir dann Fisch essen, haben wir den Müll wieder auf dem Teller.

Unser Müll besteht vor allem aus Verpackungsmüll. Verpackungen werden aber nur wenige Minuten benutzt und landen nach dem Einkauf schnell im Abfalleimer, zum Beispiel die Plastikfolie, in der Gurken manchmal eingewickelt sind. Um diese Plastikverpackung herzustellen, waren viele Ressourcen und Energie nötig.

ÖkoLeo: Wie bist du auf die Idee gekommen, selbst etwas zu tun?

Franziska: Dazu entschlossen habe ich mich nach meinem Auslandssemester in Australien. Dort wurde so gut wie alles in Plastiktüten gepackt – sogar eine einzelne Wasserflasche. Als ich zurück nach Deutschland kam, ist mir aufgefallen, dass hier zwar weniger Plastiktüten verbraucht werden – dass sie aber trotzdem unnötig sind.

An dem Punkt habe ich mir gesagt: Ich möchte jetzt etwas verändern und selbst noch mehr auf Müllvermeidung achten.

Aber es gab auch andere Einflüsse. Zum Beispiel habe ich Leute kennengelernt, die sich schon sehr damit beschäftigt haben, wie man müllfrei leben kann. Auch über mein Studium der Kunstpädagogik habe ich mir Gedanken gemacht. Dort ist mir der Verbrauch an Materialien aufgefallen. Das wollte ich nicht mehr. Daher bin ich umgestiegen auf die digitale Fotografie.

Meine Ideen haben sich nach und nach entwickelt. Das brauchte etwas Zeit, und auch heute lebe ich nicht zu 100 Prozent müllfrei. Aber ich versuche, das müllfreie Leben so gut wie möglich in meinem Alltag umzusetzen.

ÖkoLeo: War die Umstellung für dich schwierig?

Franziska: Weil ich schrittweise damit begonnen habe, war es nicht schwierig. Im Gegenteil, es hat mir großen Spaß gemacht! Besonders hat mir Spaß gemacht zu überlegen, welche Alternativen es für Verpackungen gibt, wo ich gut einkaufen kann, mit welchen Leuten ich darüber sprechen kann. Und dann wurde es immer leichter.

Unverpackt einkaufen

Franziska ist Mitgründerin von gramm.genau. Das ist ein Laden im Laden in Frankfurt, der die Waren verpackungsfrei anbietet. Mehr dazu erfährst du hier:

ÖkoLeo: Gibt es bestimmte Fälle, in denen du es heute noch schwierig findest, keinen Müll zu produzieren?

Franziska: Ja. Das liegt meist an bestimmten Produkten. Zahnpasta zum Beispiel bekommt man oft nur in Tuben. Mittlerweile kann ich diese aber in Tablettenform kaufen.

Aber besonders viel hängt davon ab, wie gut man vorbereitet ist. Am Anfang zum Beispiel hatte ich meine „Grundausstattung“ manchmal vergessen, also Jutebeutel und Kaffeebecher. Da musste ich mich oft entscheiden und mir Fragen stellen wie: Willst du den Kaffee jetzt unbedingt, auch wenn du dadurch Müll produzierst? Oder kannst du noch warten bis du zuhause bist?

In einigen Situationen gibt es auch einfach keine Alternative, aber das muss nicht schlimm sein. Zum Beispiel, wenn man krank ist. Dann muss man Medikamente nehmen und die sind eben verpackt. In so einem Fall ist das aber ok.

ÖkoLeo: Wann ist das Müllvermeiden leicht?

Franziska: Obst und Gemüse ist kein Problem. Das ist sogar in manchen Supermärkten nicht eingepackt. Ich lasse mir mittlerweile auch den Käse immer in eine Box packen, die ich zum Einkaufen mitnehme. Am Anfang musste ich das an der Käsetheke erklären. Und die Box darf auch nicht hinter die Theke, wegen der Regeln für die Sauberkeit. Aber jetzt geht das auch sehr gut.

Eine Käsereibe, Kernseife und verschiedene andere Zutaten.
Auch Waschmittel stellt Franziska selber her. (Bild: Franziska Geese)

ÖkoLeo: Woher kennst du all die Tricks? Denkst du dir das selber aus?

Franziska: Ich lese viel dazu und suche im Internet oder in Büchern nach Tipps. Aber auch Gespräche mit Leuten, die sich dafür interessieren, sind immer gut. Im Austausch erfahre ich immer viel und komme auf neue Ideen.

ÖkoLeo: Was würdest du ändern, um unseren Alltag „müllfreier“ zu machen?

Franziska: Ich würde auf jeden Fall Obst und Gemüse aus den Plastikpackungen rausholen. Das beste Beispiel sind für mich die in Plastik eingeschweißten Bananen. Die brauchen gar keine Verpackung! Bananen haben eine natürliche Verpackung, und das ist ihre Schale.

Ich finde es grundsätzlich sogar okay, wenn im Supermarkt Mehrweg-Plastiktüten verkauft werden. Aber unter der Bedingung, dass sie mehrfach benutzt werden und nicht direkt im Müll landen. Wichtig ist, dass es stabile Tüten sind, nicht die dünnen Gemüsetüten. 

ÖkoLeo: Hast du einen Tipp: Womit könnte ich im Alltag anfangen, um weniger Müll zu produzieren?

Franziska: Ich empfehle, einfach immer einen Beutel dabei zu haben. Ganz egal, ob Jute, Netz-Beutel oder Plastikbeutel. Die wiegen nicht viel, sind leicht zu transportieren und bewirken viel, wenn man Abfall vermeiden möchte!