14. Oktober 2016 Landschaften & Ökosysteme

Naturbelassene "Wilde Ecken": Was in einem Jahr passiert

Was passiert eigentlich, wenn ein "Eckchen" Natur sich selbst überlassen wird? Hunderte Menschen haben es ausprobiert während der Aktion "Wildes Hessen". Nach einem Jahr ist sie zu Ende gegangen. Wie hat sich die Natur in dieser Zeit entwickelt? Und was hat das Ganze mit der biologischen Vielfalt zu tun?

Zur biologischen Vielfalt gehören alle Arten von Lebewesen und ihre Lebensräume. Und weil all diese Lebensformen aufeinander angewiesen sind, ist es wichtig sie zu schützen und die Vielfalt zu erhalten. Das kannst Du auch in einer ganz kleinen "wilden Ecke" beobachten. Zum Beispiel ernähren sich Bienen vom Nektar aus den Blüten der Pflanzen. Wenn sie Nektar sammeln, verteilen sie gleichzeitig die Pollen aus den Blüten und bestäuben so die Pflanzen. Viele Pflanzenarten können sich nur auf diese Weise vermehren.

Im September 2015 hat das hessische Umweltministerium dazu aufgerufen, Hessen ein bisschen "wilder" zu machen. Im ganzen Bundesland sollten "wilde Ecken" entstehen – das sind kleine Bereiche im Freien, in denen nicht in die Natur eingegriffen wird. Ziel der Aktion war es, auf die biologische Vielfalt aufmerksam zu machen.

Wo gibt es "wilde Ecken"?

Auch ÖkoLeo hat mitgemacht! Unsere Redakteurin in Nordhessen hat ein Stückchen ihres Gartens in Nordhessen zur "wilden Ecke" werden lassen. Ihre Fotos und Beobachtungen aus einem Jahr findest du unten in diesem Beitrag.

Insgesamt sind in Hessen 238 wilde Ecken entstanden. Die meisten davon lagen in privaten Gärten, Grundstücken oder auf Balkonen. Viele sind auf öffentlichen Flächen entstanden, zum Beispiel auf dem Gelände von Ämtern und Behörden. Auch Spaziergängerinnen und Spaziergänger haben "wilde Ecken" beobachtet. In Hombressen liegt die nördlichste wilde Ecke. Die südlichste befindet sich in Lampertheim.

1.400 Fotos sind zu all diesen wilden Ecken entstanden. Hier kannst du die Fotos auf der interaktiven Karte durchstöbern. Die Bilder aus der wilden Ecke von ÖkoLeo sind auch dabei.

Im Herbst fing alles an

Ab dem Herbst 2015 hat unsere Redakteurin in einer Ecke ihres Gartens der Natur freien Lauf gelassen. Dann hat sie beobachtet, was passiert. In der Ecke wachsen einige Sträucher und verschiedene Gräser, Blumen und Grünpflanzen. Mittendrin ist eine alte Baumwurzel aufgestellt. Am Rand steht ein Quittenbaum.

Anfang Oktober sprießen Pilze zwischen Sträuchern und Gräsern. Die bunten Sommerblumen verblühten allmählich.

Pilze sprießen.
Pilze sprießen. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

November 2015

Im November hat der Herbst deutliche Spuren hinterlassen. Die Blätter fallen nach und nach zu Boden und bilden eine Laubschicht. Diese bietet vielen Tieren Schutz vor der beginnenden Kälte. Die Pilze verfallen langsam.

Pilze im November
Das November-Wetter lässt die Pilze langsam verfallen. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

Winter 2015/2016

Nur zwei Tage lang ist die wilde Ecke mit Schnee bedeckt. Das sieht ganz friedlich und ruhig aus, aber unter der Schneeschicht ist trotzdem einiges los. Zum Beispiel überwintern viele Pflanzenknollen und -wurzeln unter der Erde. Sie haben alle nötigen Nährstoffe gespeichert und wachsen, sobald die ersten sonnigen Tage nach dem Winter kommen.

Weil sich viele Tiere im Winter zurückziehen, sind naturbelassene "Ecken" besonders wichtig! Unter dünnen Zweigen, totem Holz und Laub finden zum Beispiel Igel einen Unterschlupf. 

Die Natur vom Schnee bedeckt.
Die Natur vom Schnee bedeckt. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

Erste Frühlingsboten

Schon Anfang März kündigten erste Knospen und Pflänzchen zwischen dem Laub den Frühling an.

Die ersten Knospen kommen hervor.
Die ersten Knospen treten hervor. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

Ende April klopft der Sommer an, die Sonne scheint zunehmend länger und wärmer. Unser kleiner Wildgarten dankt es ihr: Die Knospen an Bäumen und Sträuchern springen auf. Das Grün der jungen Blätter wird immer üppiger, und die ersten Blumen bringen Farbtupfer.

Ende April springen die Knospen an Bäumen auf.
Ende April springen die Knospen an Bäumen auf. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

Der Sommer ist da!

Im Juli sind die Gräser so hoch gewachsen, dass die alte Wurzel kaum mehr zu sehen ist. Viele Blumen blühen nun in bunten Farben. Waren es im Mai noch Vergissmeinnicht und Margeriten, blühen seit Ende Juni Tausendschön, Mohn und viele andere.

Hohes Gras
Bis zum Juli sind die Gräser hoch gewachsen. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

Hohe Gräser und bunte Blumen – die "wilde Ecke" im Sommer.

Bienen und Hummeln summen und Schmetterlinge flattern zwischen den Blüten herum. Für sie ist die Vielfalt der blühenden Pflanzen wichtig, denn sie sammeln den Nektar aus den Blüten. Man spricht bei solchen Blumenwiesen manchmal auch von "Bienenweiden". An der alten Wurzel ist ein Baumpilz gewachsen.

Mohnblume
Eine Mohnblume in der Natur. (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)

Das Jahr neigt sich dem Ende zu

Nach dem Sommer wird es wieder Herbst. Am Ende des Rückblicks sind wir wieder da, wo alles vor einem Jahr alles angefangen hat. Die Blumen verblühen, die Blätter verfärben sich ...

Wildes Hessen
Wildes Hessen (Bild: Katharina Reinhold / oekoleo.de/ CC BY 2.0)