04. Juli 2016 Tiere

Sind die Bienen in Gefahr?

Vielleicht hast du auch schon mal in den Nachrichten etwas vom großen Bienensterben gehört? ÖkoLeo hat den Bienenexperten Christian Dreher vom Bieneninstitut Kirchhain gefragt, was es damit auf sich hat und was man für die Bienen tun kann.

ÖkoLeo: Herr Dreher, seit ein paar Jahren hört man immer wieder in den Medien, dass es ein großes Bienensterben gibt und dass die Bienen in Gefahr sind. Ist das so?

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Christian Dreher: Das "große Bienensterben" gibt es so nicht. Es gab vor einigen Jahren am Rhein in Baden-Württemberg große Probleme, da sind in einem Jahr sehr viele Bienen gestorben und viele Völker stark geschädigt worden. Das hing mit einem Pflanzenschutzmittel zusammen, das den Tieren geschadet hat. Aktuell sind solche extremen Probleme in Deutschland aber nicht vorhanden. Es gibt stets eine bestimmte Anzahl von Völkern, die den Winter nicht überstehen. Das ist ganz normal. Es gibt dennoch verschiedene Gefahren für die Bienen, die wir im Blick behalten müssen.

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Was steckt hinter dem "Bienensterben"?

Seit einigen Jahren berichten Medien gelegentlich, dass viele Bienenvölker sterben. Das klingt manchmal, als würden die Bienen weltweit vom Aussterben bedroht sein. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen ist die Lage für die Bienen zwar nicht gut, aber es gibt weltweit große Unterschiede. Die Organisation hat Daten über Honigbienen weltweit gesammelt. Demnach gibt es vor allem in Nordamerika und einigen europäischen Ländern Sorgen wegen der Varroa-Milbe. In Nordamerika stirbt fast jedes dritte Volk an dem Parasiten. In Europa schwankt der Anteil von Land zu Land sehr stark. Aus Asien, Südamerika und Afrika werden keine hohen Verluste gemeldet. Das UNO-Umweltprogramm und andere Fachleute warnen aber, dass auch andere Insektenarten bedroht sind, die Blüten bestäuben. Außer Honigbienen sind das zum Beispiel verschiedene wilde Bienenarten, Hummeln und Schmetterlinge. Der Weltbiodiversitätsrat hat ermittelt, dass über 40 Prozent dieser Arten vom Aussterben bedroht sind. Die Gründe dafür sind dieselben, die auch Bienen gefährden können: vor allem zu wenig verschiedene Blütenpflanzen und zu viele Schädlingsbekämpfungsmittel.

ÖkoLeo: Welche Gefahren meinen Sie?

Christian Dreher: Die größte Bedrohung für die Bienen sind die Varroa-Milben. Das sind kleine Spinnentiere, die vor etwa 35 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt wurden. Sie sind Parasiten, die die Bienen anstechen und ihnen Blut absaugen. Das Problem dabei sind die Infektionen und Viruserkrankungen, die durch diese kleinen Verletzungen entstehen und sich verbreiten. Die Varroa-Milben befallen leider nicht nur die erwachsenen Bienen, sondern auch die Brut. Durch Viruserkrankungen schlüpfen die kleinen Bienen dann häufig schon verkrüppelt oder geschwächt.

ÖkoLeo: Was kann man gegen die Varroa-Milben unternehmen?

Christian Dreher: Es gibt verschiedene Mittel, mit denen man die Milben bekämpfen kann – künstlich erzeugte, aber auch natürliche Mittel. Zum Beispiel behandeln viele Imker ihre Völker zwei bis drei Mal im Jahr mit Ameisensäure. Ganz los werden wir die Milben sicher nicht. Doch Imker müssen sich bemühen, den Milbenbefall gering zu halten, besonders im Spätsommer und Herbst, damit ihre Völker den Winter überstehen.

ÖkoLeo: Und welche anderen Gefahren gibt es noch für die Bienen?

Christian Dreher: Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen 30 Jahren sehr verändert. Früher gab es viele kleinere landwirtschaftliche Betriebe, die verschiedene Pflanzen angebaut haben. Heute gibt es weniger Betriebe, die größer sind und oft nur wenige verschiedene Pflanzen anbauen. Es gibt insgesamt weniger Artenvielfalt. Das schränkt die Auswahl für die Bienen ein. Auch der Einsatz von chemischen Mitteln, die die Pflanzen vor schädlichen Tieren oder Pilzen schützen sollen, ist manchmal schlecht für die Bienen. Es gibt verschiedene Dinge, die die Bienen unter Stress setzen und schwächen können.

Pflanzenschutzmittel und Parasiten können zur Gefahr für die Bienen werden.
Pflanzenschutzmittel und Parasiten können zur Gefahr für die Bienen werden. (Bild: rainerstropek/ flickr.com/ CC BY 2.0)

ÖkoLeo: Gibt es denn durch die Veränderungen in der Landwirtschaft auch weniger Honig?

Christian Dreher: Nein, das kann man im Allgemeinen nicht sagen. Der Honigertrag bei uns in Deutschland und auch in Hessen ist vielerorts gut. Es wird zum Beispiel heute sehr viel Raps angebaut. Die Rapsblüten sind sehr ergiebig für die Bienen, sie produzieren daraus viel Honig. Aber der Raps blüht nur kurze Zeit. Früher konnten die Bienen gleichmäßiger über das Jahr verteilt geeignete Blüten finden.

Biene am Bestäuben
Viele Pflanzenarten brauchen die Bestäubung durch Bienen. (Bild: Karsten Dörre/ wikimedia.org/ CC BY-SA 3.0)

ÖkoLeo: Warum sind Bienen denn so nützlich und wichtig?

Christian Dreher: Sie spielen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. Sie bestäuben viele Pflanzen und sorgen dafür, dass diese Früchte tragen und Samen produzieren. Ohne Bienen würde es viele Blumen und Pflanzenarten nicht mehr geben, und auch viel weniger Obst und Gemüse. Viele Tiere leben von den Früchten und Samen der Pflanzen und sind daher von der Bestäubung abhängig. Im Ökosystem spielen die Tiere und Pflanzen eng zusammen, und wenn eine Art ausfällt, wirkt sich das auf die anderen aus. Auch wir Menschen ernähren uns von vielen Naturprodukten, die es ohne Bienen nicht gäbe.

ÖkoLeo: Wie viele Bienenvölker gibt es in Hessen?

Christian Dreher: Es sind derzeit ungefähr 49.000 Völker in Hessen. In Südhessen gibt es eine ganz gute Abdeckung mit Imkern und Bienenvölkern, im Norden Hessens könnten es eventuell ein paar mehr sein.

ÖkoLeo: Was können wir denn tun, um den Bienen ein gutes Lebensumfeld zu bieten?

Christian Dreher: Man kann in seinem Garten darauf achten, dass man den Bienen ein reiches Blühangebot bietet. Damit meine ich, dass man viele verschiedene Blühpflanzen aussät oder schöne Stauden anpflanzt, die zu verschiedenen Zeiten blühen. Es gibt bestimmte Pflanzen, die besonders gut für Bienen sind und mit denen man eine Bienenweide anlegen kann. Diese sind im Gartenmarkt oft gekennzeichnet oder man kann dort nachfragen.

Es ist auch gut, wenn man im Garten nur die Rasenflächen häufig mäht, auf denen man sich viel bewegt und spielt. Auf anderen Flächen kann man das Gras ruhig mal hoch wachsen lassen. Dort blüht es dann auch sehr schön. Das ist übrigens nicht nur für die Bienen, sondern auch für Hummeln und Schmetterlinge gut! Im eigenen Garten sollte man auch auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten, sogenannte Pestizide.

Bienenexperte bei der Arbeit
Bienenexperte Christian Dreher hat sich Zeit für unsere Fragen genommen. (Bild: privat)

ÖkoLeo: Kann man auch selbst Hobby-Imker werden?

Christian Dreher: Natürlich! Das Imkern ist eines der schönsten Hobbies der Welt. Man lernt dabei eine Menge und bekommt einen ganz anderen Blick auf die Natur und die Jahreszeiten. Für den Anfang ist es gut, mal einen Imker in der Nähe zu besuchen und sich von ihm alles zeigen zu lassen. Es gibt auch Einführungskurse, bei denen man das Imkern lernen kann. Und manche Schulen haben Imkerei-AGs oder Schulimkereien.

Man sollte dabei auf jeden Fall bedenken: Bienen sind Tiere, sie brauchen Pflege und man muss dranbleiben. Es ist kein Hobby, was man mal nur für ein Jahr machen und dann einfach wieder aufhören kann. Dafür macht es aber sehr viel Freude – und man bekommt leckeren Honig!