ökoLeo | Winter: mit dem Förster im Wald

Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Winter: mit dem Förster im Wald

In einigen Gegenden von Deutschland hat es schon geschneit. Der Winter nähert sich. Und in der kalten Jahreszeit kehrt im Wald in vielerlei Hinsicht Ruhe ein. Peter Fischer ist Förster beim Forstamt in Darmstadt. Er hat Ökoleo erzählt, was die Tiere dann in seinem Forstrevier machen, worauf Spaziergänger achten sollten und was er im Wald zu tun hat.

Buche

Bild: Schäfer, Hessen-Forst
Solitärbuche

Bestimmt hast Du im Winter schon Spaziergänge im Wald gemacht und festgestellt, dass es bei einigen heimischen Wildtieren etwas ruhiger zugeht. Siebenschläfer, Murmeltiere und Igel machen einen Winterschlaf. Sie haben sich im Herbst eine ordentliche Speckschicht angefressen, senken ihre Körpertemperatur und verbrauchen während ihres Winterschlafs kaum Energie. Dachse, Eichhörnchen und Biber halten eine Winterruhe. Sie wachen zwischendurch auf, gehen auf Futtersuche und schlafen dann weiter.

Keine Tiere aufschrecken

„Spaziergänger sollten deshalb grundsätzlich immer auf den Wegen bleiben und sich ruhig verhalten. Hunde gehören an die Leine“, appelliert der Förster Peter Fischer. Er erklärt: „Werden die Tiere in ihrem Winterschlaf gestört, wachen sie auf. Dadurch wird ihr Stoffwechsel angeregt. Sie verbrauchen Energie. Um neue Energie aufzutanken, müssen die Tiere fressen. Das Problem ist: Diese Winterschläfer finden im Winter kaum Nahrung und verhungern.“

Schon gewusst?

Wenn es knackig kalt ist, so um die -20°C, kann die Restfeuchtigkeit in den Baumstämmen gefrieren. Dabei dehnt sie sich aus, so dass der Stamm aufplatzt. Das gibt es einen extrem lauten und scharfen Knall. Einen geplatzten Stamm erkennt man an den so genannten Frostleisten. Deshalb stirbt der Baum aber nicht ab. Er muss auch nicht gleich gefällt werden.

Kälte

Bild: H. Thielking
Rehe verbrauchen bei Kälte möglichst wenig Energie.

Auch größere Wildtiere wie Rehe können von Spaziergängern und frei laufenden Hunden aufgescheucht werden. „Die Rehe verbrauchen beim Rennen sehr viel Energie. Und das nur, um vor den Menschen zu flüchten“, sagt Peter Fischer. Dabei leiden die Rehe im Winter ohnehin unter dem knappen Nahrungsangebot. Als „Feinschmecker“ fressen sie nur Kräuter, Blätter, Knospen, Triebe und Früchte bestimmter Pflanzenarten. Ihr Körper kann viele Pflanzen gar nicht verdauen. Im Winter fressen Rehe sogar trockene Brombeerblätter, um einmal das Gefühl des Sattseins zu haben. Übrigens: „In diesem Jahr liegt der Waldboden voll mit Früchten. Eicheln und Bucheckern gibt es in Hülle und Fülle. Sie sind ein gefundenes Fressen für Wildschweine und Rehe“, so Peter Fischer.

Füttern verboten
Wildschwein

Bild: Schäfer, Hessen-Forst
Wildschweine finden im Winter meistens genug Nahrung. Sie sind Allesfresser.

In Hessen ist es grundsätzlich verboten, die Tiere im Wald zu füttern. „Erlaubt ist lediglich eine so genannte Ablenkfütterung an Wildschweine“, berichtet der Förster. Der Grund: In Darmstadt und anderen Städten grenzt der Wald oft an Gärten und Ackerflächen. Hier wühlen die Wildschweine bei ihrer Futtersuche ganz schön herum. Dabei richten sie großen Schaden an. „Damit die Wildschweine im Wald bleiben, haben die Förster zur Ablenkung so genannte Kirrplätze aufgestellt. Das sind Futterstellen, die von keinem anderen Tier genutzt werden können. Ich fülle sie regelmäßig mit höchstens einem Liter Hafer oder Mais. Je 100 Hektar Wald darf ein Kirrplatz errichtet werden“, informiert Peter Fischer.

Kontrolliert bejagen
Reh

Bild: Schäfer, Hessen-Forst
Im Winter sind die Haare der Rehe hohl. So isolieren sie gut gegen die Kälte.

Leben zu viele Wildtiere im Wald, können sie auch hier Schaden anrichten. „Rehe fressen besonders gerne die nährstoffreichen Knospen von Buchenkeimlingen. Das sind einjährige Buchen, die erst sieben bis zehn Zentimeter groß sind. Sie haben nur eine einzige Knospe. Sind diese Pflanzen verbissen, sterben die Buchen ab. Als Förster habe ich dafür zu sorgen, dass der Wald wachsen kann“, erklärt Peter Fischer

Da Rehe und Wildschweine in unseren Wäldern aber keine natürlichen Feinde (Wölfe oder Luchse) mehr haben, gehen Förster im Herbst und Winter auch auf die Jagd. „Alle drei Jahre schauen wir uns den Bestand der Hauptbaumart in unserem Revier – die Buche – genau an. Danach ermitteln wir, wie viele Rehe im Forstrevier geschossen werden dürfen. Sind mehr als ein Drittel der jungen Buchen verbissen, also die Endknospe abgefressen, werden mehr Rehe zum Abschuss freigegeben, sind es weniger als zwanzig Prozent, wird der Abschuss aber auch reduziert“, so der Förster.

Hauptarbeit im Winter

Während viele heimische Wildtiere im Winter „auf Sparflamme“ gehen, ist bei den Försterinnen und Förstern an Winterschlaf nicht zu denken. Im Gegenteil: Jetzt beginnt für sie die Hauptarbeitszeit. Es ist Hochsaison für das Holzgeschäft. „Im Sommer haben wir alle Bäume, die geschlagen werden sollen, farbig markiert. Waldarbeiter oder Einschlagsfirmen fällen die Bäume aber erst im Winter, weil das Holz dann weniger Wasser enthält. Je trockener das Holz ist, desto besser eignet es sich zur Weiterverarbeitung“, erklärt Peter Fischer.

Der Förster muss auch die Qualität des Holzes genau kontrollieren. Außerdem hat er dafür zu sorgen, dass die geschlagenen Bäume so aufbereitet werden, wie der Kunde es wünscht. Manche holzverarbeitende Betriebe möchten die Stämme beispielsweise auf eine exakte Länge geschnitten haben. Andere wünschen Stämme, die alle gleich dick sind.

Das Holz verkauft der Förster unter anderem an Sägewerke in der Region. Sie stellen daraus beispielsweise Parkett für Fußböden her. Papierwerke verarbeiten Holz zu Papier. Einfaches Holz aus den Baumkronen wird als Brennholz vermarktet. „Und unsere Douglasien, das sind Nadelbäume, haben wir sogar schon nach Japan für den Tempelbau verkauft“, berichtet Peter Fischer stolz.

Hedda Thielking