ökoLeo | Bäche: Sehenswertes und Beachtenswertes

Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Fest verwurzelt

Bäche: Sehenswertes und Beachtenswertes

Sicherlich warst Du schon einmal an einem Bach. Vielleicht wohnst Du ja ganz in der Nähe eines Baches. Dann weißt Du auch, dass es dort viel zu bestaunen gibt. Es gibt sogar ganz merkwürdige Phänomene zu beobachten. Na dann schauen wir einmal hin.

Wald

Bild: Alexander Stahr
Ein Bach in der Aue. Bei diesem handelt es sich um die Aar im Taunus.

Ein Bach fließt in der Aue. Das ist die Bezeichnung für die von Überflutungen betroffenen Bereiche in einem Tal, die sich links und rechts des Baches erstrecken. Das Wort "Aue" oder "Au" ist auf das mittelhochdeutsche "Ahe" zurückzuführen, das soviel wie Wasser bedeutet. In der Aue fließt der Bach aber nicht dem Gefälle folgend schnurgerade, sondern in mehr oder weniger großen Schleifen. Das hast Du bestimmt schon gesehen.

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Woher kommt die Aue?

Das ist die Bezeichnung für die von Überflutungen betroffenen Bereiche in einem Tal, die sich links und rechts des Baches oder eines Flusses erstrecken. Das Wort "Aue" oder "Au" ist auf das mittelhochdeutsche "Ahe" zurückzuführen, das soviel wie Wasser bedeutet.

Von Schleifen und Hängen
Bach

Bild: Alexander Stahr
Ein Bach im Winter. Er windet sich in zahlreichen Schleifen, den Mäandern, zu Tal.

Diese Schleifen nennt man Mäander. Der Begriff stammt vom griechischen Namen Maiandros für den Menderes-Fluß in Kleinasien. Schon bei den alten Griechen der Antike war dieser Fluss für seine zahlreichen Schleifen oder Flussschlingen bekannt.

Fließendes Wasser sucht immer den Weg des geringsten Widerstandes. So auch der Bach. Wenn bei nachlassender Strömung Kies- oder kleine Sandbänke abgelagert werden, bilden diese ein Hindernis. Das Wasser weicht aus. Auch größere Steine oder in das Bachbett gefallene Äste können das Wasser zum Ausweichen zwingen.

Der Bach beginnt dadurch zu pendeln. Oft bewirkt aber alleine schon das wilde, turbulente Fließen des Wassers ein Hin- und Herschwingen des Wasserstromes und somit die Entstehung von Schleifen oder Mäandern.

Eisvogel

Bild: Alexander Stahr
In solchen Prallhängen richtet der Eisvogel seine Bruthöhle ein.

Dort, wo das Wasser in einer Krümmung des Bachbettes schneller gegen das Ufer strömt, entsteht ein steil abfallender Hang. Er wird als Prallhang bezeichnet. Die Mäander weiten sich nach und nach aus, weil das Wasser immer etwas Material vom Prallhang mitreißt, weil es dagegen prallt.

Es kommt auch vor, dass der Bach den Prallhang unterspült. Dann können ganze Stücke des Hangs abstürzen und vom Wasser abtransportiert werden. Im Innenbogen eines Mäanders ist die Strömung deutlich geringer. Hier werden Kies und Sand abgelagert, und es bildet sich ein flach ansteigender Hang, der Gleithang genannt wird.

Lehm

Bild: Karl-Josef Sabel
Lehm in der Aue.

Bei einem Hochwasser kann es passieren, dass das Wasser eine Abkürzung nimmt, die Schleife rechts oder links liegen lässt und geradeaus weiter fließt. Dann wird der Mäander zu einem so genannten Altarm, den der Bach nicht mehr durchfließt.

Vom Eisvogel

Im steilen Prallhang einer Bachschleife hat an manch einem Bach der Eisvogel seine Bruthöhle eingerichtet. Die bunten Vögel bekommt man nur selten zu Gesicht, weil sich unter Zweigen nahe dem Wasser verstecken. Von dort aus lauert der Eisvogel seiner Beute auf. Er jagt kleine Fische, junge Frösche, Kaulquappen oder Insekten. Die Art, wie er jagt, nennt man Stoßtauchen. Hat er eine Beute entdeckt, so stürzt er sich kopfüber in das Wasser und schnappt mit dem Schnabel zu.

Bachflohkrebse

Bild: HLUG
Bachflohkrebse sind ein Hinweis auf die Wasserqualität von Bächen.

Nur, wenn der 15 bis 17 Zentimeter lange Vogel mit dem wissenschaftlichen Namen Alcedo atthis über die Wasseroberfläche saust, ist er hin und wieder zu beobachten. Wo Eisvögel leben, ist der Bach noch weitgehend intakt. In dicht bevölkerten Gebieten mit vielen Bachbegradigungen ist er jedoch selten geworden. Daher steht der Eisvogel auch auf der "Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten".

An manch einem Bach wurden Begradigungen beseitigt und der natürliche Zustand des Gewässers und der Aue wiederhergestellt. Man nennt dies "Renaturierung". Einige Projekte wurden auch durch das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz gefördert. Projekte, die auch dem Eisvogel zugute kommen.

Rodungen

Der Eisvogel brütet in den Lehmwänden der Bäche. Den Lehm hat der Mensch in die Auen verfrachtet. Natürlich indirekt. Bevor der Mensch in größerem Umfang in die Vegetation eingriff, gab es in den Tälern entlang der Bachläufe kaum Lehm. Die Bäche transportierten Kies und Sand.

Doch im Mittelalter begann der Mensch die Wälder verstärkt zu roden. Holz war die wichtigste Energiequelle. Brennholz und Holzkohle wurden überall benötigt. Auch als Baustoff war Holz nicht wegzudenken. Hinzu kam die Landwirtschaft, die immer größere Flächen für Äcker und Wiesen benötigte. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dauerten die Rodungen an.

Wo der Wald gerodet wird, ist der Boden der Erosion ausgeliefert, der Abspülung der Bodenteilchen durch Regen oder Schmelzwasser im Frühjahr. Gerade zwischen dem Mittelalter und der Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte ein kühleres Klima mit sehr vielen Niederschlägen. Der Boden wurde stark erodiert und das abgespülte Material landete in den Tälern als Lehm oder Auenlehm, in dem der Eisvogel brütet.

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Vom Lehm

Boden besteht unter anderem aus unterschiedlich großen Mineralkörnchen bis hin zu Steinen. Die ganz feinen Körnchen heißen Ton. Die nächst größeren nennt man Schluff. Das ist der Staub, der in den Fingerrillen haftet. Dann gibt es noch den Sand. Ein Gemisch aus etwa gleichen Anteilen der drei Teilchengrößen nennt man Lehm.

Vom Wasser

Über viele Jahrhunderte waren die Bäche schmutzige Brühen. In ihnen landeten Hausabfälle, Abwässer von Gerbereien und andere Dinge. Heute achtet man darauf, dass die Wasserqualität der Bäche wieder gut ist. Kleine Tiere wie Wasserflöhe, Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse und Steinfliegenlarven geben Auskunft über den Zustand eines Baches. Sind sie zahlreich vorhanden, so ist das Wasser sauber.

Das ist wichtig, weil in manch einer Bachaue auch Grundwasser, das dort sehr hoch steht, als Leitungswasser gewonnen wird. Denn unter dem Auenlehm liegen Kiese, die in ihren Hohlräumen viel Wasser speichern können. Diese Kiese finden sich häufig auch weit entfernt vom heutigen Bach, sogar auf den Hängen des Tales. Doch wie kamen sie dorthin?

Und noch etwas ist doch merkwürdig und beachtenswert: die Täler, in denen die Bäche fließen. In den meisten Fällen fließt in einem recht breiten Tal, mitunter umrahmt von Felsen, ein unscheinbarer Bach. Täler werden vom Wasser in die Landschaft eingeschnitten. Hast Du Dich schon einmal gefragt, wie denn so ein kleiner Bach ein so großes Tal und seine Kiese auf die Hänge schaffen konnte?

Die Antwort: Bäche fließen in Flussbetten. Es gab Zeiten, in denen unsere Bäche reißende Flüsse waren, die Eiszeiten. Damals, vor mehr als 10.000 Jahren, war der Boden dauerhaft gefroren. Nur in den etwas wärmeren Monaten taute er an der Oberfläche auf. Doch darunter blieb er gefroren. Wenn es regnete oder der Schnee schmolz, konnte das Wasser nicht versickern und das meiste davon landete in den Tälern, wo es reißende Flüsse bildete.

Sie lagerten die Kiese ab und räumten die Täler aus. Das ging nicht auf einmal, sondern mit Unterbrechungen von statten. Mal wurden Kiese abgelagert, dann schnitt sich das Wasser wieder ein. Deshalb finden sich die Kiese in verschiedenen Höhen im Tal und bilden Terrassen. Wenn Du wieder einmal an einen Bach kommst, dann kannst Du Dir das ja mal selbst anschauen.

Alexander Stahr