ökoLeo | Spargel: der Trick mit dem Boden

Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
ökoLeoökoLeo vor blauer Kugel

Fest verwurzelt

Spargel: der Trick mit dem Boden

In der Rubrik „Aus erster Hand“ erfährst Du vom Spargelbauer Ernst Müller aus Nauheim im Kreis Groß-Gerau Interessantes über den Spargel. So zum Beispiel dass der Spargel in Dämmen aus sandigem Boden wächst. „In diesem Damm ist der Spargel vor Tageslicht und Sonne geschützt und bleibt deshalb schön weiß“, erklärt der Fachmann. Doch Spargel braucht eigentlich keinen Damm und sandigen Boden.

Spargel

Bild: Alexander Stahr
Beim Boden für den leckeren und gesunden Spargel arbeitet der Spargelbauer mit Tricks.

Spargel wächst auf fast allen Böden

Der leckere Gemüsespargel heißt wissenschaftlich oder botanisch Asparagus officinalis . Er ist eine Staude und gehörte früher zur Pflanzenfamilie der Liliengewächse. Nun haben ihn die Botaniker zur Familie der Asparagaceae, den Spargelgewächsen gestellt. Wild wächst er vom Mittelmeer bis nach Skandinavien, sogar bis China auf trockeneren, nährstoffärmeren Böden. Diese können sandig, steinig, aber auch lehmig und verdichtet sein, denn Spargel ist eine so genannte Pionierpflanze. Das sind Pflanzen, die als erste dort wachsen, wo für andere Pflanzen noch keine guten Bedingungen herrschen. Dämme braucht der Spargel nicht.

Der Sand, der Damm und die Vorteile
Spargelfeld

Bild: Karl-Josef Sabel, HLUG
Ein Spargelfeld in Südhessen Monate nach der Ernte. Rechts siehst Du das welk werdende Spargelkraut.

Dass Spargel in Dämmen und in möglichst sandigen Böden angebaut wird, hat mehrere Gründe. Wäre der Boden lehmig, verdichtet oder steinig, hätten die austreibenden Spargelstangen mit größerem Widerstand auf ihrem Weg nach oben zu kämpfen. Die Folge: Die Stangen würden krumm und unansehnlich. Der Spargelbauer möchte möglichst gerade Stangen, der Verbraucher sowieso. „Königliches Gemüse“ krumm? Das geht eben nicht.

ökoLeo
Grün spart schälen

Der grüne Spargel wächst über der Erde und bekommt seine Farbe durch das Sonnenlicht. Er wird auch ohne Erdwälle angebaut. Botanisch ist der grüne Spargel ebenfalls Asparagus officinalis und man kann ihn genauso verwenden wie den weißen Spargel. Die grüne Variante des Spargels hat den Vorteil, dass nicht geschält werden muss. Man schneidet lediglich das Ende der Stange ab.

Ein sandiger Boden erwärmt sich schneller als ein lehmiger. Vor allem dann, wenn er zu schmalen Dämmen geformt wird. Der Spargelbauer macht dies mit einer Maschine, einer so genannten Dammfräse. Auch dabei wäre ein Lehmboden hinderlich. Dieser würde überall kleben. Die Dämme sind besonders wichtig, weil dann die Stangen schon früh treiben und geerntet werden können. Mit dem Wachstum beginnen die Stangen ab einer Bodentemperatur von zehn Grad Celsius.

In einem Lehmboden geerntete Spargelstangen wären zudem recht schmutzig und müssten aufwändig geputzt werden. Sand lässt sich leicht abschütteln und abwaschen. Auch die Ernte selbst ist in einem Sandboden viel einfacher und die Löcher, die durch das Abstechen des Spargels entstehen, lassen sich viel leichter schließen.

Der Spargelbauer hilft nach
Spargelfeld

Bild: Wikipedia, public domain
Ein Spargelfeld mit Dämmen unter Folie.

Oft sieht man Kunststofffolien über den Dämmen. Der Spargelbauer erreicht damit, dass die Bodentemperatur erhöht wird. Das geht mit dunklen und mit hellen oder durchsichtigen Folien. Die dunklen Folien erwärmen sich schnell, da kein Sonnenstrahl reflektiert wird. Mit den hellen oder durchsichtigen Folien nutzt man den so genannten Treibhauseffekt, das heißt die Wärmestrahlung gelangt durch die Folie zum Boden, aber nicht mehr hinaus. Das funktioniert wie ein Gewächshaus.

Dadurch treibt der Spargel noch früher und die Verkaufssaison verlängert sich. Das ist natürlich gut für die Einnahmen des Spargelbauers und ebenso für den Verbraucher, der das köstliche Gemüse länger genießen kann. Einziger Nachteil: Der frühe Spargel ist etwas teuerer.

Spargel wiegen

Bild: Alexander Stahr
Aus dem Damm in den Handel.

Darüber hinaus wird durch die Folie Unkraut ferngehalten. So kann auch auf Herbizide, das sind Unkrautvernichtungsmittel, verzichtet werden. Unter der dunklen Folie bleibt der Spargel zudem weiß, wenn er durch die Erde stößt. Erhöhen sich die Außentemperaturen stark, muss die Folie weg, sonst „verbrennt“ der Spargel.

ökoLeo
Weißt Du, was Asparagus bedeutet?

Schon die alten Griechen der Antike haben Spargel angebaut. Von ihnen stammt auch der Name „Asparagus“. Dieser bedeutet übersetzt „Spross“. Passt oder? Damals wurde der Spargel auch als Heilmittel benutzt. So zum Beispiel gegen Zahnschmerzen. Ob die Pflanze geholfen hat, weiß man nicht. Die Römer liebten Spargel. Sie übernahmen ihn, wie so vieles, von den Griechen.

Sandiger Boden hat jedoch auch Nachteile. Er kann weniger Nährstoffe speichern als ein lehmiger Boden. Er ist auch wasserdurchlässiger, was bedeutet, dass er weniger Wasser festhalten kann als ein lehmiger Boden. Das ist für manch eine andere Nutzpflanze ein Problem. Doch Spargel mag ja als Pionierpflanze von Natur aus vergleichsweise trockene und nährstoffarme Standorte.

Fassen wir alles noch einmal kurz zusammen:

Spargel werden in sandigen Dämmen unter Folien angebaut weil

  • sich der Boden rascher erwärmt.
  • der Spargel vor Tageslicht und Sonne geschützt ist.
  • die Spargelstangen dadurch gerade wachsen.
  • sich der Boden besser bearbeiten lässt.
  • der Spargel leichter gestochen werden kann.
  • die Spargelstangen leicht von der Erde gesäubert werden können.
  • sich die Löcher nach der Ernte besser schließen lassen.
  • Kunststofffolien den Spargel früher treiben lassen.
Woher kommt der viele Sand?

Nun bliebe noch die Frage, wo denn eigentlich der viele Sand des „Spargelbodens“ herkommt. Schaut man sich einmal die hessischen Spargelanbaugebiete an, so liegen alle relativ nahe am Rhein. So bei Weiterstadt, Griesheim, Groß-Gerau und Pfungstadt. Dort wurden während der Eiszeit große Mengen an Flugsand angeweht, der aus dem damals weit verzweigten und zeitweise sehr trockenen Flussbett des Rheins stammte.

Noch mehr Spargelthemen findest Du im Archiv 2008 unter:
Spargel: stangenweise ein Genuss

Alexander Stahr