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Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Bodenschutz: Zu Hause fängt er an

Der Boden ist die Lebensgrundlage von Pflanzen, Tieren und somit auch die des Menschen. Der Boden ist Lebensraum für Milliarden Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere. Und er ist ein wichtiger Filter und Puffer im Wasserkreislauf. Denn der Boden hält Schadstoffe zurück, die das Grundwasser gefährden können und er speichert Niederschläge, die sonst noch mehr Hochwasserereignisse hervorrufen würden.

Hornveilchen

Bild: Alexander Stahr
Versiegelter Boden lässt nur robusten Pflänzchen Raum zum Leben. So zum Beispiel diesem Hornveilchen.

Für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft haben Böden deshalb eine große Bedeutung. Obwohl der Boden für die belebte Natur eine äußert wichtige, man könnte sogar fast sagen die wichtigste Rolle spielt, wird er von der Öffentlichkeit nur relativ wenig beachtet.

Der Boden ist für die meisten Menschen etwas Selbstverständliches. Etwas, auf dem man läuft, baut, in das man Gartenpflanzen setzt oder an dem man sich die Schuhe dreckig macht. Dies sind letztendlich einige der Gründe dafür, warum mit der wertvollen Lebensgrundlage Boden recht sorglos umgegangen wird.

Pflastern

Bild: Alexander Stahr
Eine schicke Terrasse darf im Garten nicht fehlen. Aber ausufern sollte die Pflasterei zum Schutz des Bodens nicht. Auch zum Schutz des Grundwassers und der Bodenlebewesen.

Das zeigt sich unter anderem an der Tatsache, dass in Deutschland durch die Überbauung mit Siedlungs- und Verkehrsflächen täglich eine Bodenfläche verschwindet, die ungefähr so groß ist wie 170 Fußballfelder.

Aber der Boden ist nicht nur Lebensraum, Nährstofflieferant oder Filter. Er ist auch von großer Bedeutung für Deine und die Gesundheit aller Menschen. Denn ist der Boden zum Beispiel mit giftigen Chemikalien belastet, wachsen keine gesunden Nahrungsmittel mehr auf ihm.

Der Schutz des Bodens ist ein Thema, mit dem sich Fachleute aus Behörden, Politik, Institutionen und Universitäten befassen. Damit der jetzt und in Zukunft geschützt wird, wurde im Jahr 1999 das Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) verabschiedet. Dort heißt es in § 1 wörtlich:

Regen

Bild: Alexander Stahr
Versiegelter Boden schlägt zurück. Bei überdurchschnittlich starken Regenfällen kann es zu unerwünschten Fluten kommen.

„Zweck dieses Gesetzes ist es, nachhaltig die Funktionen des Bodens zu sichern oder wiederherzustellen. Hierzu sind schädliche Bodenveränderungen abzuwehren, der Boden und Altlasten sowie hierdurch verursachte Gewässerverunreinigungen zu sanieren und Vorsorge gegen nachteilige Einwirkungen auf den Boden zu treffen. Bei Einwirkungen auf den Boden sollen Beeinträchtigungen seiner natürlichen Funktionen sowie seiner Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte soweit wie möglich vermieden werden.“

Um Schäden am Boden zu vermeiden und um sie gegebenenfalls zu erkennen, muss er über längere Zeiträume überwacht werden. Deshalb gibt es in Hessen seit dem Jahr 1991 so genannte Boden-Dauerbeobachtungsflächen. 67 sind es inzwischen. An diesen Standorten wird der Boden von Wissenschaftlern des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie regelmäßig auf Veränderungen hin überprüft.

Doch auch schon zu Hause kannst Du selbst mit oft ganz einfachen Mitteln zum Schutz des Bodens Beitragen.

Bodenversiegelung oder: Pflastern in Maßen
Pflaster

Bild: Alexander Stahr
Durchlässiges Pflaster lässt auch auf Stellplätzen für das Auto den Regen gut versickern.

Zu einem Garten gehört ein Platz, an dem man im Sommer coole Gartenpartys feiern kann. In den meisten Fällen hat man dafür eine Terrasse aus Steinplatten, Pflastersteinen, Waschbetonplatten oder Holzbohlen. Das kann nicht nur schick aussehen, das ist auch zweckmäßig. Denn wer will schon mit dem Stuhlbein im Boden versinken oder auf Kies hin und her wackeln.

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Wenig beachtet

Für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft haben Böden eine große Bedeutung. Obwohl der Boden für die belebte Natur eine äußert wichtige, man könnte sogar fast sagen die wichtigste Rolle spielt, wird er von der Öffentlichkeit nur relativ wenig beachtet.

Doch man sollte es nicht übertreiben. Wenn der halbe Garten aus Platten und Pflastersteinen besteht, bleibt nicht mehr viel Fläche, auf der das Niederschlagswasser versickern kann. Bei einem Garten ist das natürlich unbedeutend. Doch bei Abertausenden von Gärten summiert sich die nicht versickerte Wassermenge infolge von Bodenversiegelung.

Wenn der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann, dann fließt es sehr rasch und in großen Mengen über die Abwasserkanäle in die Flüsse oder in die Kanalisation. Das Wasser steht weder für Pflanzen und Menschen, noch für die Neubildung und Auffüllung der Grundwasserspeicher zur Verfügung. Versiegelte Böden sind auch keine gute Heimat für eine Vielzahl von Bodenlebewesen.

Autowäsche

Bild: Alexander Stahr
Chemikalien sollten bei der Autopflege nicht im Boden versickern.

Daher sollte man Bereiche um das Haus, die festen Untergrund aufweisen müssen, nicht unbedingt mit Betonplatten oder Pflastersteinen abdichten, sondern mit ökologisch sinnvollen Baustoffen gestalten. So zum Beispiel Stellplätze für Autos, Zufahrten und Gartenwege. Ökologisches Pflaster lässt Regenwasser durch und filtert teilweise auch Schadstoffe aus Luft und Niederschlag. Durch den Verzicht auf eine Bodenversiegelung verringert übrigens auch die Abwasser-Gebühren.

Schadstoffe – aber bitte nur soviel wie nötig

Wenn die Reparatur und Pflege von Auto, Motorrad, Fahrrad und Co. Ansteht, sollten dabei keine Öle, Waschmittel oder sonstige Chemikalien in den Boden gelangen. Schadstoffhaltiges Abwasser und umweltgefährdende Abfälle müssen als Sondermüll entsorgt werden. Wie man das macht, erfährst Du bei der Gemeinde. Fast alle Städte und Gemeinden bieten den Service eines Umwelt- oder Entsorgungstelefons an.

Streusalz

Bild: Alexander Stahr
Streusalz schadet dem Boden. Deshalb sollte es nur gestreut werden, wenn es unbedingt nötig ist.

Zu den Abfällen, die den Boden und das Grundwasser gefährden, gehören beispielsweise auch Reste von Pflanzenschutzmitteln. Streusalz hat im Garten überhaupt nichts zu suchen, denn es schadet auch den Zier- und Nutzpflanzen. In den meisten Städten und Gemeinden darf Salz nur auf den Gehweg vor dem Grundstück gestreut werden, um eine akute Gefahr für Fußgänger abzuwehren. Zum Beispiel bei Blitzeis nach einem Eisregen. Wenn man eine sehr steile Garageneinfahrt hat, muss man sie sogar streuen, um einen Unfall zu vermeiden. Aber bitte nur soviel wie nötig.

Pflanzenschutz: ein schwieriges Thema

Wenn Deine Familie einen Garten hat, dann kennst Du sie sicherlich auch: gefräßige "Raubtiere". Pilze, Bakterien und Viren wollen den geliebten Pflanzen an den Kragen. Dagegen gibt es eine große Zahl an "Mittelchen". Doch Vorbeugen ist besser als heilen. Optimale Bodenpflege, Düngung und der richtige Pflanzenstandort sowie Mischkulturen und Fruchtwechsel schaffen günstige Wachstumsbedingungen. Dies stärkt die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Schädlinge aller Art.

So findet beispielsweise ein Schadinsekt in einer Mischkultur auf der gleichen Fläche weniger "Futter" als bei einer Reinkultur. Und: hier gibt es für das Insekt auch mehr Feinde. Aus diesen Gründen vermehrt es sich auch weniger stark. Doch auch unter optimalen Umweltbedingungen wird man den Garten nicht hundertprozentig vor Pflanzenkrankheiten und gefräßigem Getier bewahren können.

Bevor man mit der chemischen Keule zuschlägt, sollte man jedoch erst einmal sanftere Methoden probieren. Stichwort: biologischer Pflanzenschutz. Es gibt jede Menge "Nützlinge", die Blattlaus & Co den Garaus machen.

So zum Beispiel die Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza), die heimische Schwebfliege (Episyrphus balteatus) oder die Florfliegenart Chrysoperla carnea. Sie alle lieben Blattläuse. Auch Raubwanzen, Marienkäfer und Marienkäferlarven sind ganz scharf auf Pflanzenschädlinge. Wie man die Nützlinge im Garten fördert und wo man sogar welche kaufen kann, erfährt man in einer guten Gärtnerei oder beispielsweise bei der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft sowie bei den verschiedenen Umweltschutzverbänden.

Gegen tierische Schädlinge, aber auch gegen Pilze, Mangelkrankheiten und schädliche Bakterien, kann man auch Spritzbrühen herstellen. Brennnesseln mit ihrem Stickstoff- und Mineralstoffreichtum helfen gegen Blattchlorose, einer Mangelkrankheit, und die in ihren Brennhaaren enthaltenen giftigen Substanzen, so genannte Histamine, helfen gegen Blattläuse.

Der Schachtelhalm wirkt mit seinem hohen Gehalt an Kieselsäure gegen Pilzerkrankungen. Kohlblätter, ausgekniffene Geiztriebe (= Seitentriebe) von Tomaten sowie Schalen von Knoblauch und Zwiebeln bilden die Grundlage für wirksame Brühen gegen schädliche Bakterien und Pilze. Außerdem vertreiben sie mit ihrem intensiven Geruch manch ein Schadinsekt.

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Info: Spritzbrühen selbst gemacht

Ein hilfreiches Mittel gegen Blattläuse und anderes "Ungetier" ist die Brennnesselbrühe aus der Grossen Brennnessel (Urtica dioica). Sie wird aus einem Kilogramm frischen Brennnesseln auf zehn Liter kaltem Wasser zubereitet. Nach 24 Stunden wird sie unverdünnt auf befallene Pflanzen ausgespritzt. Eine weitere wirksame Spritzbrühe zur Bekämpfung von Lauchmotten, Läusen, Erdbeermilben, Blattwespen oder Rost und Mehltau lässt sich aus Rainfarn (Chrysanthemum vulgare) herstellen. Rainfarn kommt in Mitteleuropa sehr häufig vor, so beispielsweise an Wegrändern. Schon 300 Gramm an frischen Pflanzen oder 30 Gramm getrocknetes Rainfarnkraut reichen aus, um in zehn Litern Wasser eine wirksame Brühe anzusetzen.

Bei sehr starkem Schädlingsbefall kann es jedoch notwendig werden, dass man auf herkömmliche Pflanzenschutzmittel zurückgreifen muss. Doch Vorsicht! Insektizide können neben Schadinsekten auch nützliche Insekten und Regenwürmer oder andere wertvolle Bodenorganismen schädigen. Darunter kann letztendlich die Fruchtbarkeit des Bodens leiden.

Schädlinge können gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel auch Resistenzen entwickeln und sich schneller von der giftigen Wirkung eines so genannten Insektizids als ihre Feinde erholen. Dann muss man mit anderen "Keulen" zuschlagen, die vielleicht noch giftiger sind.

Wenn die "Keule" aber unausweichlich erscheint, sollte unbedingt der "Beipackzettel" des entsprechenden Mittels genau beachtet werden. Darauf steht übrigens auch, wie das Mittel oder die leere Packung entsorgt werden müssen. Jedes Pflanzenschutzmittel benötigt in Deutschland eine amtliche Zulassung. Dabei wird festgelegt, für welche Kulturen das Pflanzenschutzmittel erlaubt ist, wie häufig und mit welchen Mengen in einer Vegetationsperiode damit behandelt werden darf.

Außerdem wird festgelegt, welche Wartezeiten zwischen der letzten Anwendung und der Ernte des Lebensmittels einzuhalten sind. Zudem gibt es Auflagen für den erforderlichen Abstand zu Gewässern und zur Anwendung des Mittels während der Blütezeit. Auch die Anwendbarkeit des Mittels für den Haus- und Kleingartenbereich ist amtlich geregelt und auf dem Beipackzettel vermerkt.

Bodenbearbeitung mit Köpfchen
Moor

Bild: Karl-Josef Sabel
Aus Hochmoorböden wird Torf für den Einsatz im Garten gewonnen. Doch Moore sind Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Deshalb sollte man im Garten auf so genannte Torfersatzstoffe zurück greifen, die im Handel erhältlcih sind.

Zum Schutz des Bodens kann auch die Art und Weise der Bodenbearbeitung im Garten beitragen. Pflanzenabfälle kann man selbst kompostieren und den fertigen Kompost anschließend als wertvollen Langzeitdünger in den Boden einarbeiten. Kompost fördert nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, er dient letztendlich auch der Müllvermeidung. Laub sollte dort, wo nur Zierpflanzen wachsen, liegen bleiben. Die Bodenlebewesen werden es danken.

Zum Schutz der Moore sollte man im Garten auf Torf verzichten. Torf wird aus entwässerten Hochmoorflächen gewonnen, die in der Bodenkunde, der Wissenschaft vom Boden, auch zu den Böden gerechnet werden. Torf ist ein sehr langsam nachwachsender Rohstoff. Er bildet sich über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten aus Torfmoosen. Die Torfschicht in einem Moor wächst nur etwa einen Millimeter pro Jahr. Durch den Abbau von Torf werden nicht nur die Moore selbst geschädigt oder gar zerstört. Denn Moore sind auch Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Die Besitzer von Gärten verbrauchen im Jahr rund 2,3 Millionen Kubikmeter Torf. Das sind fast 20 Prozent des gesamten deutschen Torfabbaues. Nach Schätzungen von Fachleuten kann man davon ausgehen, dass bei einer gleich bleibenden Abbaumenge, die Torfvorräte in unserem Land in 20 bis 60 Jahren erschöpft sein werden.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, Torfersatzstoffe im Garten zu verwenden. Für Zierpflanzen wie die wunderschönen Rhododendren, die Substrateigenschaften benötigen, die der Torf liefert, gibt es durchaus brauchbare Alternativen. Um welche Stoffe es sich dabei handelt und wie man sie erfolgreich anwendet, das erfährt man in jeder guten Gärtnerei oder Baumschule.

Alexander Stahr