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Moore: gruselig schön

Wer an Moor denkt, dem fallen vielleicht zuerst ein paar gruselige Dinge ein: Irrlichter, Gespenster oder geheimnisvolle Moorfrauen. Nicht umsonst spielen auch Gruselkrimis und Jugendbücher häufig in Mooren. Und die Moorleichen gibt es auch, sogar echte. In der Regel sind es aber sehr alte Leichen aus dem Mittelalter oder noch viel älter. Eigentlich sind Moore überhaupt nicht gruselig, sondern tolle Biotope mit wertvollen Tieren und Pflanzen.

Schilf

Bild: Alexander Stahr
Mit dem rasch wachsenden Schilf des Röhrichts schreitet die Verlandung voran, die Vorraussetzung für die Entstehung eines Niedermoores.

Was sind Moore?

Moore sind vom Wasser geprägte Böden aus Pflanzenmaterial. Sie bestehen aus bis zu mehreren Metern mächtigen Humushorizonten. Moore entstehen überall dort, wo Wasser im Überschuss vorhanden ist. Sei es als Regen, hoch stehendes Grundwasser, Quellwasser, häufigem Hochwasser oder etwa Stauwasser. Moore sind äußerst vielgestaltig und können nach unterschiedlichsten Kriterien unterschieden werden. Nicht selten gibt es Übergänge zwischen mehreren Moortypen.

Grob kann man aufgrund des Oberflächenverlaufes zwischen Niedermoor und Hochmoor, auch Regenmoor genannt, unterscheiden. Niedermoore werden vom Grundwasser beeinflusst und sind recht nährstoffreich. Hochmoore hingegen sind nährstoffarm, sauer wie Essig und werden nur noch vom Niederschlag ernährt. Daher auch die Bezeichnung „Regenmoor“ für Hochmoor. ihre Oberfläche ist uhrglasähnlich gewölbt.

Wie entstehen Moore?
Niedermoor

Bild: Alexander Stahr
Ein Niedermoor im Taunus.

Moore bilden sich, wenn Luftmangel den Abbau abgestorbener Pflanzen oder Pflanzenteile hemmt, wodurch sich große Mengen davon als Torf anreichern. Dies ist in Seen, an dauernd oder immer wieder einmal stark vernässten Stellen in der Landschaft der Fall. Große Regenmengen, niedrige Jahresdurchschnittstemperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit tragen ein Übriges zur Moorbildung bei. Niedermoore entwickeln sich durch allmähliches Verlanden eines Gewässers vom Ufer aus. Stark wuchernde Pflanzen des Schilfgürtels, Röhricht genannt, wie Schilf oder Rohrkolben liefern das Material für die Torfbildung.

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Verlandung

Dieser Begriff bezeichnet die allmähliche Verkleinerung einer Wasserfläche durch das Wachstum von Pflanzen des Röhrichts. Zusätzlich zum Wachstum der Sumpf- und Wasserpflanzen fördert die Ablagerung von Sand, Ton und Schlick den Vorgang der Verlandung.

Im Laufe des Verlandungsprozesses engt das Röhricht die freie Wasserfläche immer mehr ein, zugleich besiedeln Erlen, Weiden, Moorbirken oder Kiefern den bereits verlandeten Bereich. Der so genannte Bruchwald entsteht. Wächst der Torf über die ehemalige Wasseroberfläche heraus, so entsteht verstärkter Nährstoffmangel, da der Kontakt zum Grundwasser verloren geht und Nährstoffe der Vegetation nur über den Niederschlag zugeführt werden. In diesem Stadium, dem Übergangsmoor, siedeln sich erste Hochmoorpflanzen an.

aufgegrabenes Niedermoor

Bild: Karl-Josef Sabel
Ein aufgegrabenes Niedermoor gibt seine Torfschichten preis.

Bei weiterem Wachstum verschwindet der Bruchwald und schließlich bilden vor allem Torfmoose, die zahlreichen Sphagnum-Arten sowie Wollgras, Moosbeere, Binsen und andere Hochmoorpflanzen den gewölbten Torfkörper des Hochmoores. Hochmoore sind uralt, denn um einen Meter Torf zu bilden braucht es 1.000 Jahre. Eine der bekanntesten Pflanzen der Hochmoore ist sicherlich auch der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), ein wahrlich blutrünstiger Fleischfresser.

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Torfmoose

Torfmoose zählt der Botaniker zur Gattung Sphagnum. Sie stellen den wesentlichen Anteil an der Vegetation eines Hochmoors und somit auch am Torf. In Mitteleuropa kommen etwa 35 Arten dieser Pflänzchen vor. Entwicklungsgeschichtlich sind diese Pflanzen recht alt und primitiv. Die unscheinbaren Pflänzchen tragen keine Blüten und haben verzweigte Stämmchen, die unten absterben und oben stets weiter wachsen. Sie sind, auch im abgestorbenen Zustand, durch spezielle Zellen in der Lage Wasser hochzuheben, sodass der Wasserspiegel der Hochmoore in der Regel mehrere Meter über dem Grundwasserspiegel liegt.

Das Rote Moor
Rotes Moor

Bild: Rainer Lippert (gemeinfrei)
Das Rote Moor.

Das einzige Hochmoor in Hessen ist das Rote Moor in der Hessischen Rhön südöstlich der Wasserkuppe. Es entstand nach der letzten Eiszeit, die vor rund 10.000 Jahren endete. Wasserundurchlässige Ablagerungen in Vertiefungen ließen zuerst ein Niedermoor und schließlich das Hochmoor entstehen. Der Torfabbau mit Trockenlegung großer Bereiche hatte dem Moor schon stark zugesetzt, als es im Jahr 1979 Naturschutzgebiet wurde.

Im Zuge der Renaturierung errichtete man einen Damm, um das Moor durch das Aufstauen von Wasser wieder zu vernässen. Heute gibt es einen etwa 1,2 Kilometer langen Rundweg durch das Moor. Es ist ein mit Informationstafeln versehener Holzbohlenpfad mit interessanten Informationen über die Entstehung und Geschichte des Roten Moores. Seinen Namen hat das Moor übrigens vom Roten Torfmoos, das botanisch oder wissenschaftlich Sphagnum magellanicum heißt.

Alexander Stahr