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Heuschnupfen: wenn die Abwehr spinnt

Schon ab Januar, also im tiefsten Winter, läuft bei manchen Leuten die Nase. Nicht wegen einer Grippe oder Erkältung, sondern weil Pollen von Erle und Hasel durch die Lüfte schwirren. Diese Menschen nennt man auch Allergiker, denn sie leiden unter einer so genannten Pollenallergie.

Getreidefeld

Viele Menschen sind gegen Gräserpollen oder deren Bestandteile allergisch.

Von Januar bis Ende Oktober fliegen Pollen durch die Luft. Von Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Kräutern. Einige Leute sind allergisch auf Baumpollen, andere reagieren mit laufender Nase und juckenden Augen auf die Pollen von Gräsern. Daher auch der Name Heuschnupfen für Pollenallergie.

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Zahlen

Im Frühjahr und Sommer atmet ein Mensch täglich etwa 4.000 bis 8.000 Pollen ein. Das ist kein Wunder, da zum Beispiel eine Roggenähre über vier Millionen Pollenkörner besitzt. 40 bis 50 Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um bei einem Allergiker Symptome auszulösen.

Dein Immunsystem

Neben Blütenpollen gelangen alle möglichen Winzlinge ununterbrochen in Deinen Körper. Darunter Viren, Bakterien, Pilzsporen, Russpartikel und andere Teilchen. Damit diese Dich nicht krank machen, hat der Körper ein Immunsystem. Das ist sehr kompliziert aufgebaut und umfasst weite Bereiche des Körpers. So etwa die Haut mit ihrem Säuremantel und die Schleimhäute an den Körperöffnungen. Im Blut lauern hungrige Blutkörperchen auf gefährliche Eindringlinge.

Das Immunsystem kann jedoch die Fähigkeit verlieren, auf bestimmte fremde Stoffe "normal" zu reagieren. Dabei kann es zu Überreaktionen kommen und eine Allergie entsteht. Allergieauslösende Stoffe nennt man Allergene oder Antigene. Das können zum Beispiel Gräserpollen beziehungsweise bestimmte Teile von ihnen oder Bestandteile von Nahrungsmitteln sein. Anders gesagt: Das Immunsystem mancher Menschen flippt bei eigentlich harmlosen Eindringlingen, die keine Krankheiten hervorrufen, völlig aus.

Von Fress- und Mastzellen

Beim ersten Kontakt mit dem vermeintlich gefährlichen Antigen stellen die weißen Blutkörperchen, und zwar die so genannten Lymphozyten, von denen es wiederum verschiedene Sorten gibt, Antikörper oder Immunglobuline (IgE) her. Sie sind in der Lage, an die Fremdkörper anzudocken und diese zu zerstören. Sie können Fremdstoffe auch so markieren, dass sie von den körpereigenen Fresszellen, die ebenfalls zu den Lymphozyten gehören, gefunden und gekillt werden.

Weidenkätzchen

Auch Weiden können allergische Reaktionen auslösen.

Die IgE lagern sich nun an Mastzellen an, die in den Schleimhäuten und im Blut vorkommen. Bis jetzt spürt der Allergiker noch nichts von den fatalen Vorgängen in seinem Körper. Die Bildung von Antikörpern und ihr Andocken an die Mastzellen bezeichnet der Arzt oder Biologe als Sensibilisierungsphase. Kommt es nun ein zweites Mal zum Kontakt mit dem Allergen, so erinnert sich das Immunsystem. Es entsendet die zuvor gebildeten Antikörper zur Attacke. Die massenweise auf den Mastzellen sitzenden Antikörper, das können zwischen 10.000 und 50.000 auf einer einzigen Mastzelle sein, fangen die Allergene ein. Durch die heftige Reaktion platzt die Mastzelle auf und darin enthaltene Histamine werden freigesetzt.

Histamin sorgt für Niesanfälle

Histamin ist eine hormonähnliche Substanz und übt im Körper viele wichtige Funktionen aus. Im Normalfall sorgt es auch dafür, dass Fremdkörper schnell abtransportiert werden können, denn es erweitert die Blutgefässe. Meist gelangen Allergene wie Pollen zuerst auf die Schleimhäute der Nase oder Augen und werden dort angegriffen. Die Histaminausschüttung sorgt nun für eine Erweiterung der Blutgefässe in den Schleimhäuten. Dadurch schwellen sie an und produzieren massenhaft Nasensekret, um die "Feinde" wegzuschwemmen.

Es kommt zu heftigen Niesanfällen, die helfen sollen, die angeblichen Feinde wegzuschleudern. Zugleich stimuliert das Histamin empfindliche Nervenenden, was zu einem starken Juckreiz führt. Der Heuschnupfen ist nun in vollem Gange. Auch ohne Heuschnupfen hast Du Histamine sicherlich schon einmal zu spüren bekommen. Brennnesseln besitzen an den Blättern Brennhaare. In ihnen befindet sich Histamin. Wenn Du das Blatt berührst, brechen die Haare ab und das Histamin gelangt in Deine Haut, was heftiges Brennen und Jucken auslöst.

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Mediziner-Latein

Die Bezeichnung Heuschnupfen kennt jeder. Pollenallergie dürfte auch noch verständlich sein. Aber saisonale allergische Rhinitis, Rhinokonjunktivitis, saisonale Rhinitis allergica oder Pollinosis???

Was tun?

Die beste Methode, dem Heuschnupfen zu entgehen, ist, die Pollen zu meiden. Man kann zum Beispiel im Frühjahr ins Hochgebirge fahren, weil die Pflanzen dort viel später blühen. Das geht aber praktisch nicht, denn da spielt die Schule nicht mit. Eine recht wirksame Methode einen Heuschnupfen los zu werden, ist die so genannte Hyposensibilisierung. Zuerst testet der Arzt, auf welche Stoffe Du allergisch reagierst. Dann bekommst Du "Dein" Allergen in steigender Dosis gespritzt, um den Körper auf diese Weise etwa gegen den Pollen vom Roggen unempfindlich zu machen. Die Hyposensibilisierung wird in der pollenfreien Zeit begonnen. Diese Behandlung muss ein Facharzt, ein Allergologe durchführen.

Rapsfeld

Von April bis August kann der Raps manchem Allergiker das Leben schwer machen.

Medikamente können den Heuschnupfen lindern oder für bestimmte Zeit sogar verschwinden lassen. Der Arzt verschreibt so genannte Antihistaminika. In ganz schlimmen Fällen wird Cortison verabreicht. Das sollte man aber nur kurzzeitig nehmen, da Cortison bei längerer Anwendung unangenehme Nebenwirkungen verursacht.

Es gibt einige Maßnahmen, die bei Heuschnupfen Linderung verschaffen können. Man kann die Pollenflug-Vorhersage nutzen, um zu bestimmten Tageszeiten zu Hause zu bleiben, sofern das geht. Die Wohnung sollte man während der Pollenflugzeit nur nachts lüften und die Möbel öfter mal mit einem feuchten Tuch abwischen. Wäsche möglichst nicht im Freien trocknen und die Bettwäsche häufiger wechseln. Während des Autofahrens Fenster schließen und Lüftung ausschalten, wenn das Fahrzeug nicht mit einem speziellen Pollen-Luftfilter ausgerüstet ist. Abends sollte man die Haare gut waschen, damit Pollen nicht ins Bett gelangen.

Text und Bilder: Alexander Stahr

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