ökoLeo | Äskulapnatter: Schutz für die bedrohte Schlange

Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
ökoLeoökoLeo vor blauer Kugel

Aus erster Hand

Äskulapnatter: Schutz für die bedrohte Schlange

Die Äskulapnatter zählt in Deutschland zu den bedrohten Tierarten. Deshalb hat sich der Verein „Naturschutzhaus e. V. Arbeitsbereich Wiesbaden-Rheingau-Taunus“ überlegt, wie man diese Schlangen besser schützen kann. Richard Abt arbeitet ehrenamtlich für diesen Verein und stellt ein paar Hilfsprogramme vor.

Äskulapnatter

Die Äskulapnatter.

Wenn Du im Odenwald, in Wiesbaden, Schlangenbad und Umgebung oder im Rheingau spazieren gehst, darfst Du dich nicht wundern, wenn Dir eine Äskulapnatter über den Weg läuft. Aber keine Angst, sie ist ungiftig. Die Äskulapnatter ist die größte einheimische Schlange. Sie kommt in Deutschland aber nur in sehr wenigen Regionen vor, zum Beispiel im Rheingau und in Wiesbaden.

Das Kriechtier lebt in lichten Laubwäldern, am Waldesrand, in Wiesen und Gebüschen. Es wurde aber auch schon in Wohngebieten entdeckt. „Das liegt daran, dass die Menschen im Lebensraum der Äskulapnatter Häuser gebaut haben“, berichtet Richard Abt.

Schlange in der Hand

Die Äskulapnatter kann bis zu zwei Meter lang werden.

Geringe Überlebenschancen

Im Rheingau gibt es schätzungsweise 500 bis 700 erwachsene Tiere. Leider hat sie nur eine geringe Chance zum Überleben. Richard Abt erklärt: „Das Weibchen legt im Juni/Juli etwa zehn Eier. Davon schlüpfen fünf bis sechs Jungtiere, die anderen Eier werden von anderen Tieren gefressen oder sie sterben ab.

Von den fünf bis sechs geschlüpften Nachkommen werden ungefähr vier von Amseln, Igeln oder Wildschweinen gefressen, so dass von einem Gelege oft nur eine einzige Äskulapnatter überlebt.“ Das sind die natürlichen Schicksale der Schlangen.

Aber auch der Mensch greift in das Leben dieser Tiere ein. Zum Beispiel werden viele Äskulapnattern von Autos überfahren. Dazu muss man wissen: Diese Schlangenart ist nicht besonders scheu. Wenn sie eine Gefahr wittert, duckt sie sich meistens, damit sie möglichst nicht gesehen wird. Manchmal stellt sie sich auch tot. Sie flieht aber selten. Das erklärt auch, warum viele Äskulapnattern vom Rasenmäher verletzt werden.

Drohende Schlange

Keine Panik! Die Äskulapnatter ist ungiftig und ungefährlich.

Zum Schutz der Äskulapnatter

Damit die Äskulapnatter in Hessen nicht ausstirbt, haben sich die Mitarbeiter vom Verein Naturschutzhaus Wiesbaden einiges einfallen lassen: In dem Ort Schlangenbad gibt es einige von diesen Tieren. Um dort sicher auf die andere Straßenseite zu kommen, könnten die Reptilien fünf Straßenunterführungen nutzen. Das taten sie bisher aber nicht. Der Grund: „Die Schlangen fühlen sich in den Unterführungen nicht wohl, weil es in dem Betontunnel keine Büsche und Bäume gibt, die ihnen Schutz bieten“, erklärt Richard Abt.

Junge Schlangen

Wenn die Jungtiere schlüpfen, sind sie etwa 25 cm lang.

Deshalb hat sich das Naturschutzhaus dafür stark gemacht, dass die Unterführungen für die Äskulapnatter attraktiver gestaltet werden. „Es wurden halbe Baumstämme an die Wand der Unterführung gelegt und gut befestigt.

Darauf kamen noch etwas Laub und Gestrüpp. Hier können die Tiere gut in Deckung gehen. Wir hoffen, dass die Nattern diese Unterführung jetzt lieber nutzen. Denn dieser Weg ist allemal sicherer als die Straße“, sagt der ehrenamtliche Vereinsmitarbeiter.

Unterführung für Schlangen unter einer Straße

Diese „Querungshilfe“ soll die Schlange dazu animieren, lieber die Unterführung und nicht die Straße zu nutzen.

Sichere Eiablageplätze

Außerdem schafft der Verein für die Äskulapnattern geschützte sonnige Plätze, wo sie in Ruhe ihre Eier ablegen können. Richard Abt erklärt: „Dafür bauen wir aus Sägemehl, klein geschnittenen Ästen, geschnittenem Gras eine Art Komposthaufen. Das ganze Grünzeug fängt mit der Zeit an zu gären. Dadurch wird es in dem Haufen schön warm. Diese Wärme nutzt die Äskulapnatter gerne zum Ausbrüten der Eier.“

Äskulapnatter im Versteck

Die Äskulapnatter sucht gerne zwischen Steinen Unterschlupf.

Erste Hilfe im Naturschutzhaus

Manchmal müssen die Mitarbeiter vom Naturschutzhaus auch erste Hilfe leisten. „Ab und zu bringt uns jemand eine verletzte Äskulapnatter. Wenn sie nur Hautabschürfungen hat, können wir sie versorgen. Ist sie aber ernsthaft verletzt, kümmert sich der Tierarzt um sie. Er hat schon vielen Nattern geholfen“, berichtet Richard Abt.

Er sagt weiter: „Wenn wir feststellen, dass eine junge Äskulapnatter keinen geeigneten Platz zum Überwintern gefunden hat, bringen wir sie in unser Terrarium. Im Frühjahr kommt sie dann wieder in die freie Natur. Den Winter hat sie aber erst mal gut überstanden.“

Hedda Thielking
Bilder: Naturschutzhaus e.V./Abt

Schließen