ökoLeo | Berufswahl: Experte für die Landwirtschaft
Logo:
Suchfeld:
Navigation:
Inhalt:


Aus erster Hand
Berufswahl: Experte für die Landwirtschaft
Irgendwann musst Du Dich entscheiden, welchen Beruf Du erlernen willst. Interessierst Du Dich für die Landwirtschaft, und möchtest Du viele Dinge ganz genau wissen? Dann kommt für Dich vielleicht ein Studium an einer Universität oder an einer Fachhochschule in Frage.
Nutztierhaltung ist ein Teil des Studiums.
Man nennt dieses Studienfach „Agrarwissenschaften“ Agrar ist der Fachbegriff für Landwirtschaft. Nadine Ackermann hat diesen Beruf gelernt. Sie arbeitet bei der Justus-Liebig-Universität Gießen und informiert dort die Studierenden rund um das Studium.
Ökoleo: Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, wenn ich an einer Universität Agrarwissenschaften studieren möchte?
Nadine Ackermann: Wenn Du an einer Universität studieren möchtest, muss Du ein Abiturzeugnis nachweisen. Zurzeit brauchst Du an der Universität in Gießen keinen bestimmten Notendurchschnitt im Abitur zu haben, damit Du hier Agrarwissenschaften studieren kannst. Wenn Du Dich für dieses Studium entscheidest, solltest Du Dich für naturwissenschaftliche Fächer wie Mathe, Biologie, Physik, Chemie und für Betriebswirtschaft interessieren.
Auch Bodenkunde wird im Studium vermittelt.
Ökoleo: Muss ich von einem Bauernhof kommen, wenn ich dieses Fach an der Universität studieren möchte?
Nadine Ackermann: Nein, das musst Du nicht. Es ist aber sicherlich von Vorteil, wenn man praktische Erfahrungen in der Landwirtschaft hat, und weiß, wie es auf einem Ackerbau-, Milchvieh- oder Obstbaubetrieb zugeht. Wer nach dem Abitur eine landwirtschaftliche Ausbildung oder ein einjähriges Praktikum auf einem Bauernhof gemacht hat, kann dafür „Punkte“ im Studium angerechnet bekommen.
Ökoleo: Wie lange dauert das Studium?
Nadine Ackermann: Das Studium läuft mindestens über sechs Semester. Ein Semester dauert ein halbes Jahr. Während dieser Zeit bekommst Du eine Grundausbildung im Bereich Agrarwissenschaften. Wenn Du alle Prüfungen bestanden hast, hast Du den Abschluss „Bachelor“ erreicht. Das ist ein englischer Begriff. Diesen Abschluss kannst Du auch an Universitäten in anderen europäischen Ländern erlangen.
Wenn Du möchtest, kannst Du danach Dein Studium fortsetzen und in vier weiteren Semestern den Abschluss „Master“ erlangen. Hier spezialisieren sich die Studenten auf eine bestimmte Fachrichtung. An der Uni Gießen stehen die Schwerpunkte Pflanzenproduktion, Nutztierwissenschaften, Agrarwirtschaft und ein englischsprachiger Studiengang in Biotechnologie zur Auswahl. Auch den Abschluss „Master“ kann man in anderen Ländern erwerben. Wenn Du einen „Master“ in der Tasche hast, bist Du noch besser ausgebildet und hast meistens auch bessere Chancen im Berufsleben.
Ökoleo: Was lerne ich in diesem Studium?
Das Thema Pflanzenernährung ist ebenfalls Teil des Studiums.
Nadine Ackermann: Während des Studiums musst Du eine bestimmte Anzahl an Pflicht- und Wahlfächern besuchen. In den ersten Semestern gehören zu den Pflichtfächern zum Beispiel Mathe, Physik, Chemie, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre, Pflanzenernährung, Tierernährung und Agrarpolitik. Zusätzlich suchst Du Dir aus einem vielseitigen Fächerangebot einige Fächer aus, die Dich am meisten interessieren. Das kann zum Beispiel organischer Landbau (hier geht es um die Herstellung von Bio-Lebensmitteln), Garten- und Weinbau, Futtermittelkunde oder Beratungslehre sein. In dem Aufbaustudium zum Master gibt es ebenfalls bestimmte Pflicht- und Wahlfächer.
Den Inhalt vermittelt meistens ein Professor oder eine Professorin in den Vorlesungen: Je nach Unterrichtsfach sitzen 50 bis 100 Studenten in einem großen Klassenraum – dem Hörsaal – und schreiben eifrig mit, was der/die Professor/in erzählt. Außerdem muss man an praktischen Übungen in einem Chemie-Labor teilnehmen.
Ökoleo: Müssen die Studenten Hausaufgaben machen?
Nadine Ackermann: Klassische Hausaufgaben wie in der Schule gibt es kaum. Ich rate den Studenten aber, alles, was sie in den Vorlesungen gehört haben, zu Hause nachzuarbeiten. Denn nach jedem Semester müssen die Studenten in jedem Fach eine Prüfung machen. Während des Bachelor-Studiums sind das insgesamt 28 Stück. Wer nicht regelmäßig nacharbeitet, muss den ganzen Stoff am Ende des Semesters auf einmal lernen. Das kann ganz schön stressig werden. Es ist also sehr wichtig, dass man sein Lernpensum während des Studiums gut organisiert.
Ökoleo: Worauf kommt es während des Studiums sonst noch an?
Nadine Ackermann: Wenn Du in den Semesterferien zum Beispiel ein Praktikum in einer Firma machst, kannst Du die Arbeitswelt ein bisschen kennen lernen und erste berufliche Kontakte knüpfen. Wer eine Zeit im Ausland studiert, sammelt hier viele Erfahrungen. Sinnvoll ist es auch, während des Studiums in einem Verband oder an der Universität mitzuarbeiten. All das sind Pluspunkte, wenn Du Dich später bewirbst.
Ökoleo: Wo arbeiten Agrarwissenschaftler/innen?
Nadine Ackermann: Hier bieten sich sehr viele Möglichkeiten. Manche Studenten wollen den Bauernhof von ihren Eltern übernehmen. Je nachdem, welchen Studienschwerpunkt Du gewählt hast, kannst Du zum Beispiel bei einem Futtermittelhersteller, in der Ernährungsindustrie, in einer landwirtschaftlichen Behörde, in der Forschung bei Versuchsanstalten oder bei einem Landmaschinenhersteller arbeiten. Auch im Bereich Umwelt- und Naturschutz werden Agrarwissenschaftler gebraucht. Zudem ist eine journalistische Arbeit bei landwirtschaftlichen Fachzeitschriften möglich. Und wer es exotisch mag, kann auch bei Projekten in Entwicklungsländern mitwirken.
Hedda Thielking
Bilder: Alexander Stahr



