04. Juni 2019 Pflanzen, Tiere

Fotoserie: Jede Art ist wichtig!

Von Frühjahr bis Herbst sind viele Insekten auf Blüten angewiesen, um Nahrung zu finden. Manche Blütenbesucher sind auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert! ÖkoLeo stellt einige Wildbienenarten und Schmetterlinge vor.

Fast alle Pflanzen brauchen die Bestäubung durch Insekten. Zum Beispiel die verschiedenen Obstsorten oder der gelb blühende Raps. Nicht nur die Honigbienen übernehmen die Bestäubung. Viele hundert weitere Insektenarten fliegen von Blüte zu Blüte und tragen Pollen weiter. Zum Beispiel Wildbienen wie Hummeln, Sand- und Mauerbienen. Aber auch Schmetterlinge und andere Insekten helfen dabei.

Manche Insektenarten haben sich auf ganz bestimmte Blüten spezialisiert. Für die Tiere kann das zum Problem werden. Denn wenn sie nicht genügend Nahrung und Lebensraum finden, können die Arten nicht überleben. So sind beispielsweise mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Senf-Blauschillersandbiene

Die Wildbiene des Jahres 2019 trägt einen langen Namen: Senf-Blauschillersandbiene. Für eine Biene sieht sie ungewöhnlich aus: Die Flügel und der Hinterleib schimmern blau. Und sie ist ziemlich groß, sie misst 13 bis 15 Millimeter. Am Namen erkennt man schon, wie sie lebt. Sie nistet im Boden. Das tun übrigens drei Viertel aller Wildbienen.

Die Sandbiene bevorzugt regengeschützte Plätze an Steilwänden in Sand, Löss oder Lehm. Als Nahrung sammelt sie hauptsächlich Pollen und Nektar des Ackersenfs, aber auch von Raps. Darum kommt sie fast nur in Ackerbaugebieten vor. Die Senf-Blauschillersandbiene ist ungefähr von Mai bis Juli unterwegs.

Zwar gibt es in Deutschland viele große Rapsfelder. Diese sind jedoch oft schon verblüht, bevor die Hauptflugzeit der Wildbiene beginnt. Um die Senf-Blauschillersandbiene zu schützen, müssen wir ihr mehr Lebensraum und Nahrung bieten. Wo es noch spärlich bewachsenen, vor Regen geschützten Sandboden gibt, sollte dieser bewahrt werden. In der Landwirtschaft helfen zudem Blühstreifen bei der Nahrungsversorgung.  Beim Anbau von Ackersenf, Raps, Weiß-Senf, Barbarakraut oder Acker-Rettich hilft es, wenn möglich, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten oder diese sehr vorsichtig einzusetzen.

Rostrote Mauerbiene

Das Insekt des Jahres 2019 ist die Rostrote Mauerbiene. Mauerbienen nisten oberirdisch und nutzen verschiedenste Nistplätze, wie totes Holz, lockeres Gestein oder Lehmwände. Nester dieser Biene wurden schon in Türschlössern, in der Plastikhülle eines Rolladenstoppers und sogar in einer Holzflöte gefunden. Gerne nimmt die Rostrote Mauerbiene künstliche Nistgelegenheiten aus Holz, Bambus oder Schilf an.

Bei ihrer Ernährung ist die Rostrote Mauerbiene sehr anpassungsfähig. Sie sammelt ihre Nahrung an vielen verschiedenen Pflanzen – das ist ein Grund, warum sie bisher als nicht gefährdet gilt. Man kann die Insekten häufig auch im Park oder im eigenen Garten sehen. Die Art ist leicht an ihrer rostroten Behaarung zu erkennen. Weil die Rostroten Mauerbienen nicht zum Stechen aufgelegt sind, kann man sie unbesorgt ganz aus der Nähe beobachten.

Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist ein kleiner, eher unscheinbarer Schmetterling. Er hat braune bis graue Flügel, auf deren Unterseite eine Reihe von schwarzen Augenflecken mit weißer Umrandung zu sehen sind. Nur bei den Männchen schimmern die Oberflügel im Flug dunkelblau. Weil die Art außerdem auf feuchten Wiesen vorkommt, wird sie auch als Schwarzblauer Moorbläuling bezeichnet.

Zwei Dinge sind im Leben dieses Schmetterlings unentbehrlich: Der Große Wiesenknopf und die Rote Gartenameise. Der Große Wiesenknopf ist eine Pflanze, die auf feuchten Wiesen wächst. Der Schmetterling braucht sie, weil er seine Eier ausschließlich in den Blüten dieser Pflanzenart ablegt. Aus den Eiern schlüpfen die Schmetterlingsraupen, welche dann die Blüten abfressen.

Anschließend passiert etwas Außergewöhnliches. Wenn die fast ausgewachsenen Raupen die Pflanzen verlassen, werden sie am Boden von bestimmten Ameisen "adoptiert", sie werden in deren Nester getragen. Dort leben die Bläulingsraupen räuberisch. Das heißt, sie fressen die Ameisenbrut. Die Raupen überwintern im Nest, verpuppen sich im Juni und verlassen im Juli als Falter das Nest.

Das Leben des Wiesenknopf-Ameisenbläulings zeigt, wie wichtig es ist, die Abläufe in der Natur zu schützen. Denn die Entwicklung vom Ei zur Raupe und schließlich zum Schmetterling kann nur dann klappen, wenn alles zusammenpasst.

Damit die Falter Eier ablegen können, brauchen sie die richtigen Blüten. Die Wiesen, auf denen der Große Wiesenknopf wächst, dürfen darum nur zu ganz bestimmten Zeitpunkten gemäht werden. Das Überwintern im Ameisennest funktioniert nur, wenn das Ameisenvolk gesund ist. Dann kann es verkraften, dass ein Teil der Brut von den Schmetterlingsraupen vertilgt wird.

Schwebfliege

Nicht nur Bienen und Schmetterlinge, auch Schwebfliegen bestäuben Pflanzen. Ihre Mundwerkzeuge sind wie kleine Tupfer, mit denen sie Blütenpollen und Nektar auflecken und einsaugen. Einen Stachel haben Schwebfliegen nicht, obwohl sie ein wenig aussehen wie Wespen. Mit ihrer schwarz-gelben Zeichnung machen sie sich gefährlicher, als sie sind. So schrecken sie Vögel und andere Fressfeinde ab. Wenn sie einmal stillsitzen, sieht man, dass Schwebfliegen wie alle Fliegen nur ein Flügelpaar haben.

Wespen, Hummeln, Bienen, Schwebfliegen: Wer ist wer?

Welche Art sticht? Manchmal ist es gar nicht so einfach, die Unterschiede zu erkennen.

Schwebfliegen bevorzugen gelbe Blüten. Wer also Schwebfliegen anlocken will, sollte gelb blühende Arten pflanzen. Zum Beispiel die Färber-Hundskamille. Doch auch der Pollen von Fenchel, Dill oder Kümmel ist bei Schwebfliegen sehr beliebt.

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