02. Mai 2019 Landwirtschaft & Garten

Für Natur und Klima: Warum dein Garten wichtig ist

Gärten und Nutzpflanzen sind Teil der Natur – sogar die Pflanzen auf dem Balkon oder im Hinterhof. Was kannst du mit deinem Garten für wildlebende Arten tun? Und warum sind wildlebende Arten wichtig für einen Nutzgarten? Und: Welche Rolle können Gärten dafür spielen, dass wir uns umweltfreundlicher ernähren und leben?

Viele Menschen kümmern sich um einen Garten. Oder sie bauen Pflanzen auf dem Balkon, im Hinterhof oder auf der Fensterbank an. Zum Beispiel Blumen und blühende Sträucher oder Obst und Gemüse, Kräuter und Salat.

Anders als in früheren Zeiten haben es die meisten Menschen heute nicht nötig, selbst etwas Essbares anzubauen. Viele kümmern sich um einen Garten oder Balkonpflanzen, weil es ihnen Spaß macht.

Doch Gärten sind für Natur und Umwelt wichtig. Zum Beispiel für wildlebende Tiere. Und sie können sogar beim Klimaschutz helfen!

Warum sind Gärten für die Natur wichtig?

Zwei Traktoren dreschen ein Getreidefeld.
Fast die gesamte Fläche von Deutschland wird durch Menschen gestaltet und genutzt. (Bild: luctheo / pixabay.com / Pixabay Lizenz)

In Deutschland gibt es fast keine von Menschen unberührten Flächen mehr. Nur in wenigen Schutzgebieten sind wildlebende Tiere und Pflanzen völlig ungestört. Über die Hälfte der Fläche von Deutschland wird für die Landwirtschaft genutzt.  Und auch ein Großteil der Wälder wird bewirtschaftet. Dort wird zum Beispiel regelmäßig Holz geerntet.

Wildlebende Tier- und Pflanzenarten leben also in einer Landschaft, die von uns Menschen gestaltet ist. Hier müssen sie Nahrung und Unterschlupf finden.

Viele Arten leben in Siedlungsgebieten, also in Städten und Dörfern. Grünflächen in Städten sind zum Beispiel Lebensraum für Insekten und Vögel. Sogar in Großstädten finden wildlebende Tiere Unterschlupf. In Berlin zum Beispiel wurden rund 150 Vogelarten gezählt, die gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind.

In Städten und Dörfern mischen sich Grün und Grau. Neben Straßen und Gebäuden gibt es meist auch viel Grün: Parks und Spielplätze und sogar Verkehrsinseln gehören dazu. Wenn du im Garten oder auf dem Balkon Pflanzen anbaust, werden sie Teil dieses grünen Lebensraums.

Warum sind viele Gärten "Wüsten"?

Schottergarten mit Kies
Manche Menschen bedecken ihren Vorgarten komplett mit Steinen. (Bild: Klaus Diehl / Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen)

In vielen Städten und Dörfern findet sich der größte Teil des Grüns in Gärten und Vorgärten. Auch kleine Flächen wie Rasenstreifen zwischen Häusern gehören dazu.  Wer hier wohnt kann also diesen Lebensraum gestalten.

Wer sich in Dörfern und Städten umsieht, merkt, dass es sehr unterschiedliche Vorlieben beim Gestalten von Gärten gibt. Oft sieht man zum Beispiel kurzgeschorene Rasenflächen. Manche Menschen bedecken ihren Vorgarten sogar komplett mit Kies. Viele mögen auch exotische Pflanzen, die möglichst pflegeleicht und das ganze Jahr über grün sind.

Aus Sicht von heimischen Insekten- und Vogelarten sind solche Gärten Wüsten. Hier finden sie weder Nahrung noch Unterschlupf. Heimische Insektenarten brauchen heimische Blütenpflanzen. Heimische Vögel wiederum fressen diese Insekten – oder auch Beeren heimischer Sträucher.

Warum brauchen heimische Arten naturnahe Gärten?

Amsel füttert Amselbabies.
In naturnahen Gärten finden Amseln und andere Vögel Nistmöglichkeiten. (Bild: papaya45 / pixabay.com / Pixabay Lizenz)

Dagegen bieten naturnahe Gärten viel für Tiere und Pflanzen: Nahrung, Verstecke und Nistplätze. Hier wachsen möglichst heimische Pflanzen, sodass Insekten und Vögel reichlich Nahrung finden.

Hilfreich ist, wenn ein Garte möglichst vielfältig gestaltet ist. Verstecke und Nistplätze finden sich zum Beispiel in Mauerritzen, Hecken, unter Reisighaufen oder in Höhlen alter Bäume. Es ist also gar nicht schlimm, wenn es im Garten auch "unordentlich" aussieht. Tiere brauchen diese wilden Ecken.

Außerdem ist es wichtig, auf Pflanzenschutzmittel und Pestizide zu verzichten.

Ein naturnaher Garten lädt wildlebende Tiere ein. Er wird Teil eines größeren Lebensraumes. Wildbienen, die in den Mauerritzen alter Häuser nisten, finden hier Blüten, in denen sie Nahrung sammeln. Vögel, die im Park nebenan Beeren fressen, nisten in der Hecke. Igel schlüpfen nachts von Garten zu Garten und jagen Schnecken in den Gemüsebeeten.

Für manche Tierarten werden Gärten immer wichtiger, weil sie anderswo immer weniger geeignete Lebensräume finden. So werden Amseln und Rotkehlchen in den Wäldern immer weniger, in Gärten und Parks kann man sie stattdessen häufiger sehen. Auch bei Igeln wird vermutet, dass sie weniger an Wald- oder Feldrändern leben, sondern stattdessen hauptsächlich in Gärten.

Klimaschutz zum Essen: Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten

Das Grün im Garten oder auf dem Balkon kann auch uns Menschen einen praktischen Nutzen bringen. Wer selbst Gemüse, Obst oder Kräuter anbaut, erntet nicht nur günstige und schmackhafte Lebensmittel. Man lernt dabei auch viel über Lebensmittel und die Zusammenhänge in der Natur.

Obst und Gemüse aus eigener Ernte ist außerdem gut für die Umwelt und fürs Klima. Denn im Gegensatz zu Lebensmitteln aus dem Supermarkt wird viel weniger Energie verbraucht, bevor sie auf dem Teller landen. Obst und Gemüse aus dem Supermarkt wird oft in anderen Regionen oder sogar in anderen Ländern angebaut. Ein großer Teil kommt zum Beispiel aus Spanien und wird mit dem LKW nach Deutschland gebracht.

Naturnah gärtnern: Wie kann ich anfangen?

Mit kleinen Schritten kann man beginnen, im eigenen Garten oder auf dem Balkon mehr für die Natur zu tun.

Im eigenen Garten kann man beim Rasen und in den Beeten beginnen. Statt den Rasen häufig zu mähen und kurz zu halten kann man ihn zu einer blühenden Wiese werden lassen. Schon kleine Inseln oder Streifen helfen. Wichtig ist, dass die Pflanzen dort lange genug stehen, um blühen zu können. Um schnell mehr Vielfalt zu schaffen, kann man spezielle Wiesen-Saatmischungen aussäen.

Wer keinen eigenen Garten hat, kann bereits mit einem Blumenkasten mit bienenfreundlichen Pflanzen beginnen. Manche Kräuter und Blumen sind besonders wertvoll für Wildbienen und anderen Insekten. Tipps dafür findest du hier bei ÖkoLeo.

Wenn es auf dem Gelände deiner Schule oder in der Nähe deiner Wohnung noch freie Flächen gibt, kannst du möglicherweise auch dort etwas für wildlebende Tiere und Pflanzen tun. Wenn ihr noch keinen Schulgarten habt, frag deine Lehrerin oder deinen Lehrer, ob ihr ein Gartenprojekt beginnen könnt. Falls es schon einen Schulgarten gibt, könnt ihr auf weiteren Flächen zum Beispiel eine Bienenweide sähen oder insektenfreundliche Sträucher pflanzen.

Auch in der Umgebung von Mietshäusern gibt es oft freie Flächen. Bewohnerinnen und Bewohner können mit Erlaubnis der Hausverwaltung diese Flächen gestalten. Vielleicht finden sich Nachbarinnen und Nachbarn, die gemeinsam mit deinen Eltern und dir dort einen Garten oder eine Bienenweide anlegen?

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