29. August 2019 Landwirtschaft & Garten

Interview: Wie arbeitet ein Bio-Bauernhof?

Die Familie Frenzel betreibt einen Biolandhof in Dietzhölztal in der Nähe von Marburg, ganz im Westen von Hessen. Marco Frenzel hat ÖkoLeo berichtet, wie er Landwirt geworden ist – und wie wichtig es ist, auch gute Ideen für den Verkauf der Produkte zu haben.

ÖkoLeo: Auf einem Bauernhof leben viele verschiedene Tiere, es wird Getreide angebaut und im Gärtchen pflanzt die Großmutter Gemüse. So sieht es jedenfalls im Bilderbuch aus. Ist das bei Ihnen auch so?

Marco Frenzel: Bei uns kommt das dem Bilderbuchbauernhof schon ziemlich nahe. Wir haben Hühner, Kühe, Ziegen, Pferde, also vier verschiedene Tierarten. Aber Gemüse und Getreide anzubauen, das ist hier bei uns nicht möglich.

ÖkoLeo: Wieso ist das nicht möglich?

Marco Frenzel: Für Ackerbau sind hier in der Gegend die Böden zu schlecht. Wir sind eine Grünland-Region. Das heißt, bei uns gibt es vor allem Weiden.

ÖkoLeo: Je nach Region kann die Landwirtschaft also anders aussehen?

Marco Frenzel: Ja. Wegen der Böden und auch wegen des Klimas. Wenn man zum Beispiel im Frühling von uns nach Wetzlar fährt, sieht man, dass dort die Pflanzen 14 Tage früher dran sind.

ÖkoLeo: Ist Ihr Betrieb typisch für einen Bauernhof in dieser Gegend?

Marco Frenzel: Jedenfalls sind viele Bauernhöfe in Mittelhessen klein. Was wir machen, kommt dem typischen kleinen Bauernhof in Hessen schon nahe.

ÖkoLeo: Wie sind Sie Landwirt geworden?

Marco Frenzel: Eigentlich habe ich Kfz-Mechaniker gelernt und Maschinenbau studiert. Aber mein Onkel hatte immer ein bisschen Landwirtschaft. Als ich meine erste eigene Kuh bei meinem Onkel hatte, war ich elf oder zwölf. Während meines Studiums  hat ein anderer Landwirt hier aufgehört. Weil mir Landwirtschaft immer schon Spaß gemacht hat, habe ich es gewagt und den Betrieb übernommen. Und es hat geklappt! Das hätte auch andersherum passieren können. (Lacht.)

ÖkoLeo: Das ist aber nicht der übliche Weg, oder?

Marco Frenzel: Nein, das ist garantiert nicht der Standardweg. Ich habe dann auch noch in der Abendschule Landwirt gelernt. Denn dazu gehören ja auch viele rechtliche Fragen und Politik.

ÖkoLeo: War Ihr Hof schon ein Bio-Betrieb, als Sie ihn übernommen haben?

Marco Frenzel: Nein. Wir sind auf Bio-Landwirtschaft umgestiegen, weil das hier bei uns wirtschaftlich am besten geht. Wir können keine großen Mengen produzieren. Das Wenige, das wir produzieren, müssen wir so gut wie möglich verkaufen. Jeder muss seine Nische finden, mit der er Geld verdienen kann. Denn das ist ja das Wichtigste, wenn man hauptberuflich Landwirt ist.

ÖkoLeo: Sie sagen, dass Sie wenig produzieren. Was meinen Sie damit?

Marco Frenzel: Im Verhältnis zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben produzieren wir wenig. Zum Beispiel die Hühner. Die legen im Monat vielleicht 16.000 oder 17.000 Eier. Das klingt für Kunden nach ziemlich viel. Aber manche großen Betriebe haben jeden Tag so viele Eier.

Dazu kommt dann noch das Rindfleisch. Früher haben wir noch selbst geschlachtet, aber das lohnt sich kaum. Mittlerweile ist es für uns besser, wenn wir die Kälber lebend verkaufen.

ÖkoLeo: Warum lohnt sich das Schlachten nicht?

Marco Frenzel: Es ist aufwändig, wenn wir das selbst machen. Ein großer Betrieb, der darauf spezialisiert ist, kann das günstiger machen.

Und es ist für uns schwierig, das ganze Rind zu vermarkten. Das besteht ja nicht nur aus Steaks oder Rouladen, sondern auch aus Knochen und aus Suppenfleisch. Früher haben die Leute noch ein Viertel Rind gekauft, mit allem, was dran ist. Heute wollen die meisten kleinere Mengen, und am liebsten keine Knochen.

Wir haben das Glück, dass wir hier im Dorf noch einen Metzger haben, der für uns schlachtet. Aber es ist schwierig, ein Rind hier komplett zu verkaufen. Weil das Schlachten aufwändig ist, müsste man einen höheren Preis für ein Kilo Fleisch verlangen. Aber viele Leute sind nicht bereit, das zu bezahlen.

ÖkoLeo: Sie müssen sich also als Landwirt nicht nur um die Tiere kümmern, sondern auch um den Verkauf. Wie sind Sie darauf gekommen, welche Produkte sich lohnen?

Marco Frenzel: Wir hatten von Anfang an die Kühe, aber nicht viele. Es gibt aber nicht genug Flächen, um die Kuhhaltung zu erweitern. Also habe ich mir überlegt, dass ich etwas machen muss, wofür ich nicht so viele Flächen brauche wie bei den Kühen. Dabei bin ich auf die Hühnerhaltung gestoßen. Ich habe mit einem alten Bauwagen mit fünfzig Hühnern angefangen. Das hat sich dann weiterentwickelt. Wir haben mittwochs Eier ausgefahren, das heißt, wir haben sie direkt an die Kunden geliefert. Dann wollten immer mehr Leute Eier haben, und dann kam der Supermarkt hier im Dorf dazu, und dann noch zwei Supermärkte. Jetzt haben wir drei Hühnermobile mit 700 Tieren. Wir könnten noch mehr Eier verkaufen, aber dann würde die Arbeit zu viel werden.

ÖkoLeo: Wie haben Sie es geschafft, dass Ihre Eier im Supermarkt verkauft werden?

Marco Frenzel: Wir haben die Leute dort angesprochen. Damit haben wir eigentlich immer offene Türen eingelaufen. Und die regionalen Produkte werden gut angenommen. Der Supermarkt hier in Ewersbach ruft jeden Tag an, weil die Eier ausverkauft sind.

Wir merken auch, dass Qualität und Tierwohl vielen Menschen wichtig geworden sind. Erst gestern haben mich am Hühnermobil Spaziergänger angesprochen. Sie haben erzählt, dass sie zwei Schachteln unserer Eier im Supermarkt gekauft hatten, weil sie unsere Art der Landwirtschaft unterstützen möchten. Sie sehen es gerne, dass es den Tieren gut geht und dass wir mit Herz und Verstand dabei sind.

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