06. Oktober 2020 Tiere, Landschaften & Ökosysteme

Was gibt es im Bach zu entdecken?

In Bächen und an Ufern tummeln sich das ganze Jahr über viele verschiedene Tierarten. Einige von ihnen sind nicht leicht zu entdecken. Martina Graw erklärt, wie man sie trotzdem beobachten kann.

In Hessen gibt es jede Menge Bäche und viele Flüsse. Zusammen sind sie weit über 20.000 Kilometer lang! Sie fließen durch Wiesen, neben Feldern oder manchmal auch ganz versteckt in Wäldern.

Portraitfoto
Martina Graw (Bild: Privat)

Martina Graw erklärt im Interview, wie man den Bach am besten erkunden kann. Sie ist Biologielehrerin und arbeitet schon über 20 Jahre lang für das Wassererlebnishaus Fuldatal. Dort gibt es eine Menge Mitmachangebote zu den Themen Wasser, Energie, Natur und Umwelttechnik. Kinder und Familien können dabei direkt an Bach und Teich forschen.

ÖkoLeo: Was ist das Besondere am Lebensraum Bach?

Martina Graw: Bäche sind die artenreichsten Lebensräume in unserer Region. Dort leben viel mehr Arten als auf einer Wiese oder in einem Wald. Das liegt daran, dass es ein sehr vielfältiger Lebensraum ist. 

Man erkennt das gut, wenn man sich einen Bach anschaut: An manchen Stellen rauscht das Wasser ganz schnell, an anderen fließt es nur ganz langsam. Mal liegen im Bach viele Steine, an einer anderen Stelle liegt vielleicht ein Baumstamm. Und dann gibt es natürlich auch noch die Uferbereiche. Diese verschiedenen Bereiche sind sogenannten Kleinlebensräume. Sie bieten ein Zuhause für ganz viele verschiedene Tiere. 

ÖkoLeo: Welche Tiere kann ich in Bächen und an Ufern entdecken?

Martina Graw: In Bächen leben ganz besonders viele wirbellose Tiere. Zum Beispiel kleine Krebstiere, Schnecken oder Insektenlarven. Die sind oft sehr klein, und man kann sie gar nicht so einfach entdecken. Denn damit diese Tiere nicht von der Strömung weggespült werden, suchen sie sich gern Schutz unter Steinen. 

An Bächen kann man auch den schwarz-gelben Feuersalamander entdecken. Eigentlich lebt er in Wäldern, seine Larven wachsen aber im Bach heran. Im Frühjahr verlassen Feuersalamander daher ihre Verstecke und kommen an Bäche, um die Larven dort abzulegen. Meistens findet man sie in flachen Bächen, oft nah an der Quelle und nur, wenn es dort keine Fische gibt. 

Am Uferrand fühlt sich auch ein kleines und flinkes Säugetier sehr wohl: die Wasserspitzmaus. Die habe ich aber nur ein einziges Mal entdeckt. Denn sie versteckt sich schnell und gut.
 

Eisvogel
Ein Eisvogel lauert auf Beute. (Bild: stanze / flickr.com / CC BY-SA 2.0)

Öfter kann man zum Beispiel den Eisvogel beobachten. Ich finde, dass ist der schönste Vogel, den man hier in der Region zu sehen bekommt. Sein Bauch ist orange und die Flügel sind blau. Eisvögel jagen mit ihrem langen Schnabel unter Wasser nach kleinen Fischen. Sie sitzen oft auf Ästen am Rand von Bächen und Flüssen und lauern auf Fische. 

Zwar sind sehr viele Tiere im Bach zu Hause, aber Pflanzen gibt es dort nicht so viele. Denn dafür fließen die meisten Bäche zu schnell. Bäume fühlen sich am Ufer aber sehr wohl, vor allem die Erlen. Ihre Wurzeln wachsen bis in den Bach hinein. Wer angelt, weiß: Unter den Wurzeln der Erlen gefällt es Forellen besonders gut. 

ÖkoLeo: An Bächen ist ja ganz schön was los. Wie beobachte ich die Tiere denn am besten? 

Martina Graw: Besonders wichtig ist, dass ich mir zuerst einen guten Posten suche, von dem aus ich alles genau betrachten kann. Dafür kann ich mich zum Beispiel auf einen Steg legen oder neben den Bach setzen. Wenn man dann ganz still ist und eine Weile aufmerksam schaut, entdeckt man einige Tiere von ganz allein.

Man kann auch ganz vorsichtig mit Gummistiefeln ins Wasser steigen und kleine Tiere vorsichtig aus dem Wasser keschern. Das geht zum Beispiel mit einem Küchensieb. Wenn man langsam einen Stein anhebt und das Küchensieb ins Wasser hält, dann schwemmt das Wasser meistens von ganz allein kleine Tiere in das Sieb hinein. Dabei muss man die Strömung beachten und das Sieb an die richtige Stelle halten!

Hand, die eine Becherlupe mit Kaulquappen hält
Eine Becherlupe gehört zur Ausrüstung! (Bild: BUNDjugend / flickr.com / CC BY 2.0)

Die Tiere aus dem Sieb kann man in eine flache, weiße und mit Wasser gefüllte Schale geben. Dort kann man sie super beobachten und auch wunderbar Fotos von ihnen schießen. 

Spannend ist es auch, eine Hand voll Laub aus dem Bach zu fischen und in die Schüssel zu legen. Nach kurzer Zeit kommen oft kleine Tiere aus dem Laub hervor, zum Beispiel Bachflohkrebse. Eine Lupe oder eine Becherlupe sind gut, um sich die Tiere noch genauer anzuschauen. 

ÖkoLeo: Gibt es Regeln, an die ich mich bei meiner Bach-Expedition halten sollte? 

Martina Graw: Grundsätzlich gilt: Ich darf mir alles anschauen, aber keinem Tier Leid zufügen! Deshalb muss man immer ganz vorsichtig mit dem Sieb umgehen, wenn man Tiere aus dem Bach nimmt. Man darf die Tiere nicht mit den Händen anfassen.

Wenn ich mit dem Beobachten fertig bin, muss ich das Tier unbedingt wieder freilassen! Ich muss es an derselben Stelle wieder in den Bach bringen, an der ich es auch gefunden habe. 

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