15. Januar 2016 Wetter & Jahreszeiten

Was ist bloß mit dem Wetter los?

Im Oktober 2015 fiel in Hessen Schnee. Um Weihnachten herum war es dann so warm, dass die ersten Bäume blühten. Spielt das Wetter verrückt? Darüber sprach ÖkoLeo mit Professor Dr. Lutz Katzschner. Der Wissenschaftler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Klimaforschung und Umweltmeteorologie.

ÖkoLeo: Warum spielt das Wetter so verrückt?

Lutz Katzschner: Grundsätzlich sind warme Weihnachten oder auch Schnee im Herbst nichts Ungewöhnliches. Solche Ereignisse können immer wieder auftreten. Allerdings kommen sie in den letzten Jahren häufiger vor.

ÖkoLeo: Wird es insgesamt milder? Oder kommen die kalten Zeiten einfach nur später, zum Beispiel im Februar oder März?

Lutz Katzschner: Anscheinend gibt es solche Verschiebungen nach hinten. Aber insgesamt kann man sagen, dass es bei uns wärmer wird.

ÖkoLeo: Bedeutet dies, dass wir in Zukunft weniger kalte Winter und weniger Schnee haben werden?

Lutz Katzschner: Ja, darauf müssen wir uns einstellen. Weltweit wandelt sich das Klima. Bei uns wirkt sich das in milden Wintern aus. In anderen Regionen der Erde wird hingegen extremes Wetter häufiger auftreten, zum Beispiel Sturm und Trockenheiten.

Wie viel Schnee wird es in Zukunft geben? Genaue Wettervorhersagen sind nur für wenige Tage im Voraus möglich, bei den Auswirkungen des Klimawandels geht es aber um Jahre. Die Wissenschaft rechnet damit, dass es zum Beispiel in Mittelgebirgen durchschnittlich wärmer wird. Daher wird erwartet, dass es in vielen Gegenden Hessens weniger Tage mit Minustemperaturen im Winter geben wird – und damit weniger Schnee. Die Zahl der Frosttage pro Jahr hat in den vergangenen Jahren bereits abgenommen. Doch für Schnee ist auch Niederschlag nötig. Und die Menge des Niederschlags war in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Wenn also mehr Niederschlag an den Frosttagen fällt, kann es auch in Zukunft viel Schnee geben.

ÖkoLeo: Warum ist das so?

Lutz Katzschner: Dass sich das Klima verändert, liegt am sogenannten Treibhauseffekt. Dadurch bekommen wir viel mehr Energie in die Atmosphäre. Die Atmosphäre ist die gasförmige Hülle um die Erde. Durch Fabriken, Kraftwerke, Landwirtschaft, Autos und Flugzeuge werden seit etwa 200 Jahren immer mehr so genannte Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Luft geblasen. Diese führen dazu, dass sich die Atmosphäre aufheizt. Denn die Treibhausgase reflektieren die Wärmestrahlung, statt sie ins Weltall durchzulassen. Diese Wärme und Energie führen zu Veränderungen der Wetterbedingungen insgesamt.

ÖkoLeo: Wenn wir in die Zukunft schauen, kann man abschätzen, was sich hier bei uns verändern wird?

Lutz Katzschner: Die Berechnungen der Wissenschaft sagen, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde zunimmt und dass es mehr Wetterextreme geben wird. Man kann sagen, die Wetterküche brodelt mehr. Das ist ein weltweites Phänomen. Es hängt mit der zusätzlichen Energie und dem vermehrten Wasserdampf in der Atmosphäre zusammen. Bei uns hier in Hessen und in ganz Deutschland wird es mildere Winter geben. Sicher wird es auch weiterhin mal kürzere Zeiten von Frost und Schnee geben, dann aber auch wieder Phasen, in denen es viel regnet. Dazu kommen längere Trockenzeiten im Sommer.

Ein Ökosystem ist eine Lebensgemeinschaft von Lebewesen in einem bestimmten Lebensraum verstanden. Ein Wald ist ein Beispiel für ein Ökosystem. Du kannst es Dir wie ein riesiges Netz vorstellen, in dem die Arten miteinander verbunden sind. So ernähren sich viele Tiere von den Früchten der Pflanzen. Umgekehrt sind viele Pflanzen auf Tiere angewiesen, die ihren Samen verbreiten. Wenn sich das Klima ändert, könnten zum Beispiel die Früchte zu einer anderen Zeit reif werden – das könnte manchen Tierarten Schwierigkeiten bereiten.

ÖkoLeo: Sind diese Klimaveränderungen denn problematisch?

Lutz Katzschner: Ich finde schon, dass das ziemlich problematisch ist, denn die Natur und die Menschen sind nicht darauf eingestellt, was passiert. Die Lebensweise der Eskimos zum Beispiel ist auf große Kälte ausgerichtet. Aber sie wissen noch nicht, wie sie sich verhalten sollen, wenn jetzt diese warmen Luftmassen kommen und ihre Umwelt verändern. Bei uns sind Landwirtschaft und Tierwelt auch nicht auf die Veränderungen eingestellt, die nun zum Teil sehr plötzlich geschehen. Die Ökosysteme können sich nicht so schnell anpassen, wie die Klimaveränderung geschieht.