21. Oktober 2018 Landschaften & Ökosysteme

Pilze: Warum der Wald sie unbedingt braucht

Was wir als „Pilze“ kennen sind eigentlich nur die kleinen Fruchtkörper dieser erstaunlichen Lebewesen. Ohne sie gäbe es Wälder nicht in der Form, die wir kennen.

Pilze kennt jedes Kind. Das sind doch die kleinen Gewächse mit Stiel und Schirm oben drauf, die man häufig im Wald sieht. Zum Beispiel Fliegenpilze. Oder? Nicht ganz. Das, was wir sehen, ist nur ein kleiner Teil des Pilzes, sein Fruchtkörper. Der Großteil eines Pilzes besteht jedoch aus einem Netz von feinen Fäden. Dieser Teil wird Myzel genannt. Meist sehen wir ihn nicht, denn bei Waldpilzen wächst er unterirdisch oder im Holz von Bäumen.

Dieser unsichtbare Teil der Pilze kann riesig werden. Die Fäden der größten Pilze können Netzwerke bilden, die sich über enorme Flächen erstrecken. Es wurden Pilze entdeckt, die zu den größten Lebewesen der Welt zählen. Sie erstrecken sich über viele Hektar und wiegen viele Tonnen! Im Waldboden gibt es viel mehr Pilze als Bakterien oder Kleintiere.

Lange Zeit galten Pilze als Pflanzen, weil sie sich offensichtlich nicht fortbewegen und deshalb nicht als Tiere gelten. Doch ihre Lebensweise und ihr Aufbau sind ganz anders als bei den Pflanzen. Zum Beispiel fehlt ihnen der Stoff Chlorophyll, mit dessen Hilfe Pflanzen die Sonnenenergie nutzen und der ihre Blätter grün färbt. Daher bekamen Pilze in der Biologie ein eigenes Reich neben Pflanzen und Tieren.

 

Die Putzkolonne des Waldes

Pilze ernähren sich, indem sie abgestorbene Pflanzen und tote Tiere zersetzen. Gerade im Wald sind ihre Fähigkeiten besonders wichtig. Denn nur Pilze schaffen es, bestimmte Bestandteile von Holz zu zersetzen. 

Sie säubern auf diese Weise den Wald von Totholz und gestorbenen Lebewesen. Daraus machen sie Humus, also nährstoffreiche Erde. Ohne diese könnten keine neuen Pflanzen im Wald wachsen.

Pilze und Bäume sind oft Partner

Manche Pflanzenarten könnten von sich aus gar nicht ausreichend Nährstoffe aus dem Boden ziehen, um zu wachsen. Hier helfen bestimmte Pilzarten: Ihr Gewebe legt sich um die Wurzeln der Pflanzen und hilft, sie mit Nährstoffen zu versorgen. Im Gegenzug ernähren sich die Pilze von Stoffen, welche die Pflanzen herstellen. Den „Birkenpilz“ findet man beispielsweise meistens in der Nähe von Birken. 

Durch das weitreichende Netz der Pilze im Waldboden können die Bäume sogar Nährstoffe untereinander austauschen! Allerdings gibt es auch Pilze, die den Bäumen oder anderen Pflanzen schaden.

 

Vorsicht beim Sammeln von Pilzen

Obwohl die Pilze so wichtig sind für den Wald: Sie zum Kochen zu sammeln ist in Ordnung, wenn du dabei einige Regeln beachtest. 

Zum einen gelten viele Pilzarten als geschützt und dürfen nicht oder nur in geringen Mengen gesammelt werden. Und in Naturschutzgebieten dürfen gar keine Pilze gesammelt werden. Zum anderen sind manche Pilzarten giftig, und es kann gefährlich sein, sie zu essen. Das Tückische ist, dass manche Giftpilze anderen Arten zum Täuschen ähnlich sehen.

Pilze sammeln oder selbst gesammelte Pilze zubereiten solltest du also unbedingt nur zusammen mit einer Person, die sich gut mit Pilzen auskennt!

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