31. Juli 2019 Pflanzen, Ernährung & Gesundheit

Wildkräuter: Leckere Entdeckungen

Löwenzahn auf der Pizza, Limo aus "Unkraut"? Auf Wiesen und Böschungen finden sich viele essbare Pflanzen, weiß Marion Bredemeier aus Langen. In Kursen und kleinen Expeditionen zeigt sie unter anderem Kindern und Jugendlichen, wie man sie findet und was man in der Küche daraus machen kann.

ÖkoLeo: Frau Bredemeier, Sie sagen, dass sich viele essbare Pflanzen direkt vor unserer Nase verstecken. Welche zum Beispiel?

Marion Bredemeier: Zum Beispiel der Giersch. Er wächst an schattigen Plätzen mit nährstoffreichem Boden, oft in der Nähe von Gehölz oder Hecken. Er breitet sich so schnell aus, dass manche Gartenbesitzer ihn gar nicht mögen und "Unkraut" nennen. Dabei ist Giersch sehr schmackhaft.

Giersch
Aus Giersch kann man Limonade machen. (Bild: Steffen Heinz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

ÖkoLeo: Wie sieht Giersch aus?

Marion Bredemeier: Giersch hat drei unverkennbare Merkmale. Erstens: Die Blätter erinnern an eine Feder mit zwei oder drei Teilen. Die Teilblätter sind eiförmig und der Blattrand sieht aus wie eingesägt. Zweitens: Das unterste Teilblatt ist oft nochmals in ungleichmäßige Teile geteilt. Drittens: Giersch hat einen dreikantig gefurchten Stiel.

Vorsicht, giftig

Iss keine Pflanzen oder Früchte, die du nicht kennst. Frage dazu unbedingt eine Person, die sich gut auskennt! Denn es gibt auch giftige Pflanzen. Manche sehen ähnlich aus wie essbare Kräuter.

ÖkoLeo: Wie schmeckt er?

Marion Bredemeier: Gerade die jüngsten, noch glänzenden Blätter sind sehr schmackhaft. Sie erinnern an Sellerie und Karotte.

ÖkoLeo: Und was kann man damit machen?

Marion Bredemeier: Giersch kann anstelle von Spinat verwendet werden, zum Beispiel als Füllung in Blätterteigtaschen. In meinen Kursen kommt auch die Giersch-Limo bei vielen Teilnehmenden gut an.

ÖkoLeo: Eine Limonade mit Giersch? Jetzt sind wir neugierig geworden.

Marion Bredemeier: Man nimmt zehn Blätter Giersch, eine Ranke Gundermann – das ist ebenfalls eine heimische Pflanze –, einen Stängel Minze, einen Liter Apfelsaft, eine Flasche Mineralwasser und den Saft einer Zitrone. Den Kräuterstrauß legt man in den Apfelsaft, erwärmt ihn und lässt das etwa vierzig Minuten lang ziehen. Dann gießt man die Flüssigkeit durch ein Sieb, lässt sie abkühlen und fügt Mineralwasser und Zitronensaft zu.

Gundermann
Gundermann kann so ähnlich verwendet werden wie Petersilie. (Bild: Algirdas / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

ÖkoLeo: Welche essbare Pflanze gibt es noch direkt vor unserer Haustür?

Marion Bredemeier: Den gerade schon erwähnten Gundermann. Er schmeckt etwas bitter, erinnert aber auch an Minze.

ÖkoLeo: Und was kann man damit machen?

Marion Bredemeier: Er kann so ähnlich verwendet werden wie Petersilie. Zum Beispiel in einem Wiesenkräuterquark, der sehr lecker auf einem Butterbrot schmeckt.

Dafür nimmt man eine Hand voll Wildkräuter. Ich empfehle Giersch, Rotklee-Blüten, Knoblauch-Rauke und Dost, den wir auch unter dem Namen Oregano kennen. Dazu 250 g Quark oder Sojaquark, 100 ml Sojasahne, 125 g Sojajoghurt, eine halbe Zwiebel und eine Knoblauchzehe, jeweils gehackt, und nach Geschmack etwas Zitronensaft und Salz. Die Kräuter werden klein geschnitten und mit allem zusammengefügt. Aber nehmt nicht zu viel Gundermann, er schmeckt sehr intensiv.

ÖkoLeo: Intensiver als die Petersilie aus dem Supermarkt?

Marion Bredemeier: Anders. Die Petersilie schmeckt leichter. Den Kräutern aus dem Supermarkt wurden meistens die Bitterstoffe weggezüchtet, weil die vielen Menschen nicht so gut schmecken. Dabei sind Bitterstoffe sehr gesund. In wilden Kräutern sind außerdem mehr Mineralstoffe und Spurenelemente drin als in dem Gemüse aus dem Supermarkt. Und frischer sind sie natürlich auch.

Pflanzen sammeln – die Regeln

Lasse immer den größten Teil der Pflanzen stehen, damit das Vorkommen erhalten bleibt. In Naturschutzgebieten darfst du keine Pflanzen pflücken. Geschützte Arten darf man nirgendwo pflücken.

ÖkoLeo: Wenn ich es aber nicht so gerne bitter mag, dann sind Wildkräuter nichts für mich?

Marion Bredemeier: Es gibt immer ein paar Tricks. Nehmen wir zum Beispiel Löwenzahn: Wir pflücken nur die jungen Blätter, die sind weniger bitter. Zusätzlich kann man sie zehn Minuten in Salzwasser legen, das hilft. Abgetrocknet und zerkleinert schmecken die Blätter dann zum Beispiel sehr gut auf einer Pizza. Durch die Hitze verringern sich die Bitterstoffe übrigens von ganz allein.

Marion Bredemeier im Wald
Marion Bredemeier erklärt in ihren Kursen und bei kleinen Expeditionen, was man in der Küche mit Wildkräutern machen kann. (Bild: Roman Größer, Breuberg)

ÖkoLeo: Was muss ich beim Kräutersammeln beachten?

Marion Bredemeier: Man pflückt einfach nur das, was einen anspricht: Pflanzen, die gut aussehen und an denen nichts dran ist wie zum Beispiel Tierfraß oder Vogelkot. Nicht sammeln sollte man an stark befahrenen Straßen, wegen der Abgase und der Schwermetalle im Boden, die sich in Pflanzen anreichern. Pflanzen auf Äckern können durch Spritzmittel belastet sein. Gute Standorte sind Landschaftsschutzgebiete, Wiesen und Böschungen. Dort gibt es viel zu entdecken.

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