16. Februar 2024 Landschaften & Ökosysteme, Klimaschutz

Interview: Wie kann unser Wald mit der Klimakrise zurechtkommen?

Wegen der Dürre in den vergangenen Jahren sind viele Bäume vertrocknet. Das liegt vor allem am Klimawandel. Der Waldexperte Markus Dietz erklärt, was wir tun können, damit der Wald sich besser anpassen kann.

ÖkoLeo: Zurzeit wird viel darüber geredet, dass der Wald „umgebaut“ werden muss, damit er besser mit der Klimakrise zurechtkommt. Wie kann man sich das vorstellen? Wächst der Wald nicht von allein?

Markus Dietz: Der Wald wächst grundsätzlich natürlich von allein. Er braucht uns nicht. Wald kann sich auf natürliche Weise anpassen. Aber wir können ihm dabei helfen.

Ein Beispiel ist die Rotbuche, die in den Wäldern in Hessen besonders häufig vorkommt. Sie braucht relativ viel Wasser. Wenn die Sommer in Zukunft trockener und heißer werden, wird sich die Rotbuche aus manchen Regionen zurückziehen. Stattdessen werden dort andere Baumarten wachsen, zum Beispiel die Eiche, die Elsbeere oder der Feldahorn. Die kommen mit Trockenheit und Hitze etwas besser zurecht.

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ÖkoLeo: Wenn der Wald sich eigentlich auf natürlich Weise anpassen kann, gibt es dann trotzdem einen „Umbau“?

Markus Dietz: „Umbauen“ ist ein Begriff aus der Forstwirtschaft. Da spricht man davon, dass man „Waldbau“ macht. Das ist ein bisschen vergleichbar mit Ackerbau. Die Forstwirtschaft heute will die natürliche Entwicklung des Waldes fördern. Dazu gehört es manchmal, mitzuhelfen und Bäume zu pflanzen.

Wegen der Dürre sind besonders viele Fichten abgestorben. Dadurch sind große freie Flächen entstanden. Dort werden jetzt beispielsweise Eichen, Hainbuchen und Feldahorn gepflanzt. Die Fichte ist eigentlich eine Baumart, die in Hessen gar nicht vorkommen würde.

ÖkoLeo: Wie kommt es dann, dass es bei uns viele Fichten gibt?

Markus Dietz: Vor einigen hundert Jahren hatten wir in Europa so viel Holz verbraucht, dass es kaum noch Wälder gab. Es wurden dann Bäume angepflanzt, die gutes Bauholz lieferten und schnell wachsen. Deswegen wurden sehr viele Kiefern und Fichten gepflanzt.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg sind Wälder gerodet worden, und auf den Freiflächen wurde viel Fichte gepflanzt. Darum gibt es zum Beispiel in Nordhessen im Reinhardswald so viele Fichten.

ÖkoLeo: Warum sind während der Dürre so viele Fichten abgestorben?

Markus Dietz: Die Fichte wächst von Natur aus dort, wo es sehr viel Regen gibt. Deswegen reichen ihre Wurzeln nicht tief in die Erde. Wenn der Boden trocken wird, fängt sie an zu vertrocknen.

Es ist darum auch wichtig, dass wir zukünftig viel mehr Wasser im Wald behalten. Das heißt, die Wälder sollen nicht mehr entwässert werden.

ÖkoLeo: Wälder werden entwässert?

Markus Dietz: Es werden Gräben angelegt, damit das Wasser abfließt.

ÖkoLeo: Warum denn das?

Markus Dietz: Um bessere Arbeitsbedingungen zu haben. Es muss genügend Wasser da sein, dass die Bäume wachsen, das ist klar. Aber ansonsten geht es darum, dass man mit einer Maschine in den Wald reinfahren kann, um das Holz zu ernten.

ÖkoLeo: Das heißt, der Boden soll nicht matschig sein?

Markus Dietz: Ja. Mittlerweile gibt es ein Umdenken. Fortschrittliche Förster leiten das Wasser so, dass es im Wald wieder versickern kann.

ÖkoLeo: Warum überlassen wir den Wald nicht einfach der Natur? Dann würde er sich mit der Zeit selbst anpassen. Es wäre auch besser für die vielen Tier- und Pflanzenarten, die im Wald leben.

Markus Dietz: Das geschieht an vielen Stellen schon. Wir wollen aber auch den Rohstoff Holz nutzen. Das ist berechtigt, denn Holz ist ja ein nachwachsender, schonend produzierter Rohstoff.

ÖkoLeo: Wenn wir Holz wollen, müssen wir also Forstwirtschaft betreiben. Aber ein natürlicher Wald kommt besser mit der Klimakrise zurecht und ist ein besserer Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Wie passt das zusammen?

Markus Dietz: Das geht eigentlich ganz gut. Wir lassen den Wald sich zu einem Mischwald mit vielen verschiedenen Baumarten entwickeln. Ein Teil der Waldfläche wird nicht mehr genutzt, dort wird kein Holz eingeschlagen. Und im Rest des Waldes wird möglichst naturnah gearbeitet. Dort achten die Förster zum Beispiel darauf, dass alte Bäume mit vielen Höhlen stehen bleiben. Und Bäume, auf denen große Vögel nisten.

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