18. September 2015 Landwirtschaft, Pflanzen, Landwirtschaft & Garten

Ab September: Höhepunkt der Obsternte

Weißt Du, was ein Spitzrabau ist? Oder Clapps Liebling? Das sind Obstsorten, die Du in Hessen finden kannst. Im September geht es so richtig los mit der Erntezeit für Äpfel und Birnen. Auch Pflaumen werden noch geerntet. ÖkoLeo stellt Dir einige Sorten vor – und erklärt, wo Du die Früchte aus Deiner Region probieren kannst!

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass es in Supermärkten meist die gleichen, wenigen Apfelsorten gibt? Oft sind es besonders große, leuchtende Früchte. Wenn Du Dich in Deiner Region ein wenig umschaust, wirst Du auch draußen eine Menge Äpfel sehen, denn in Hessen wird viel Obst angebaut. Allerdings sehen sie meist unscheinbarer aus als die Sorten im Supermarkt. Wie kommt das?

Granny Smith

Ein Beispiel für eine typische Supermarkt-Sorte ist die Apfelsorte Granny Smith. Du hast sie bestimmt schon oft gesehen. Ein Granny Smith fällt durch seine leuchtend grüne Schale auf. Das ist einer der Gründe, warum man ihn so häufig sieht: Er sieht toll aus! Außerdem ist die Sorte ist ein typischer Tafelapfel. Das heißt sozusagen, dass Du direkt hineinbeißen kannst – natürlich nur, wenn der Apfel bereits gewaschen ist! Granny Smith-Äpfel müssen nicht erst zu Apfelkuchen oder Saft verarbeitet werden, damit sie gut schmecken. Das Fruchtfleisch ist sehr hell, saftig und säuerlich.

Granny Smith
(Bild: Beborah Fitchett/ flickr.com/ CC BY2.0)

Aber weil diese Apfelsorte viel Licht und Wärme braucht um zu reifen, ist der Anbau in Deutschland eher schwierig. Meist werden Granny Smith-Äpfel daher aus anderen Ländern importiert. Schau im Supermarkt mal auf das Etikett oder die Preisschilder. Dort steht, woher das Obst kommt.

Hessische Lokalsorte 2015: der "Anhalter"

Apfel Anhalter
(Bild: Sven Teschke/ commons.wikimedia.org/ CC BY-SA 3.0 DE)

Auch bei Äpfeln gibt es Besonderheiten und seltene "Schätze", zum Beispiel den "Anhalter". Das ist eine alte hessische Apfelsorte. Sie wurde vom Pomologenverein zur hessischen Lokalsorte 2015 gewählt. Pomologen sind Fachleute für Obstsorten. Sie schätzen den Anhalter als wertvollen Wirtschaftsapfel, zum Beispiel für die Apfelsaftherstellung. Auch zum Backen kann der "Anhalter" prima genutzt werden. Dabei halten die Bäume auch Frost gut aus. Sie sind kaum für Krankheiten und Schädlinge anfällig.

Der "Anhalter" ist auch unter dem Namen "Anhänger" bekannt. Er wird so genannt, weil sich die Früchte an den Bäumen "festhalten" und auch bei Wind nicht leicht herunterfallen. In der ersten Oktoberhälfte ist der Anhalter reif. Besonders häufig kommt die Sorte im Taunus und in der Region Frankfurt vor.

Der wiederentdeckte "Spitzrabau"

Eine richtige hessische Wiederentdeckung ist der "Spitzrabau". Diese Sorte gab es schon vor mindestens hundert Jahren in der Region – doch er galt längere Zeit als verschollen. Im Herbst 2008 wurde die Sorte wiederentdeckt: Ein Besucher brachte beim Streuobsttag in Nieder-Kinzig einen Apfel mit, dessen Namen er selbst nicht kannte. Fachleute fanden heraus, dass es ein "Spitzrabau" war. Sie entdeckten in der Umgebung zwölf Bäume dieser alten Sorte. Alle waren etwa 100 Jahre alt. Die Besitzer hatten nicht gewusst , welche Sorte in ihrem Garten wächst. Der "Spitzrabau" schmeckt süßsäuerlich. Er wird meistens für die Herstellung von Kompott oder zum Backen genutzt.

Clapps Liebling

Auch Birnen sind in Hessen sehr verbreitet. Eine bekannte Birnensorte heißt "Clapps Liebling". Die Birne ist gelblich grün bis hin zu tief gelb und färbt sich an der Sonnenseite rot. Ihr Geschmack ist feinsäuerlich-süß.

Pflaumen und Zwetschgen

Pflaume
(Bild: Andreas Sander/ flickr.com/ CC BY-SA 2.0)

Wenn es um Obst in Hessen geht, müssen auch Pflaumen erwähnt werden! Pflaumen werden besonders in Nordhessen häufig angebaut. Sie werden schon im Sommer reif. Aber je nach Sorte und Anbaugebiet kann man sie noch bis in den Oktober hinein ernten.

 Ähnlich wie bei Äpfeln kann man das Obst frisch essen oder weiterverarbeiten. Pflaumen kann man zum Beispiel für Knödel, Kuchen oder Marmelade verwenden.

Sicher hast Du auch schon einmal von Zwetschgen gehört. Die Zwetschge ist eine Unterart der Pflaume. Sie ist im Vergleich zur Pflaume länglicher. Beide Früchte haben zwar eine sogenannte "Bauchnaht" – bei der Pflaume ist diese jedoch viel ausgeprägter. Und auch die Farbe kann verraten, um welche Frucht es sich handelt. Pflaumen sind meistens blau-violett, einige Sorten sind auch rötlich oder gelb. Zwetschgen sind dagegen dunkelblau.

Wie kann ich regionale Obstsorten finden?

Wenn Du hessische Obstsorten probieren möchtest, solltest Du ein wenig die Augen aufhalten. Obst aus Deiner Region findest Du am ehesten auf dem Markt oder direkt auf dem Obsthof. Oft gibt es auch in Bioläden oder Supermärkten regionale Angebote. Die sind meistens besonders gekennzeichnet. Wenn Du erntefrisches regionales Obst kaufst, kannst Du nicht nur gut schmeckende Entdeckungen machen. Du hilfst damit auch der Umwelt! Denn Obst aus der Region muss nicht über weite Strecken transportiert werden.

In Hessen gibt es viele Aktionen, bei denen Du mehr über Obst erfahren kannst. Oft kannst Du auch selber ernten. Zum Beispiel lädt der Main-Taunus-Streuobstverein am 19. und 26. September zum Familien-Erntetagen ein. Er stellt alles zur Verfügung, was man zur Ernte von verschiedenen Obstsorten braucht. Die Fachleute des Vereins beantworten gerne Eure Fragen.

Viele weitere Aktionen rund um die Erntezeit kannst Du auf der Internetseite der Streuobsttage entdecken.