10. Dezember 2015 Abfall & Recycling, Energie

Plastik: zu wertvoll zum Verschwenden

Was haben Joghurtbecher, Müllsäcke, Dein ferngesteuertes Spielzeugauto und Regenjacken gemeinsam? Sie bestehen aus Plastik. Ohne Plastik ist unsere Welt kaum noch vorstellbar. Es ist so selbstverständlich, dass wir große Mengen davon nach einmaliger Benutzung wieder in den Müll werfen. ÖkoLeo erklärt Dir, warum wir uns mehr Gedanken über Plastik machen sollten.

Hinter dem Wort "Plastik" verbergen sich eigentlich eine Menge verschiedener Stoffe, die sogenannten Kunststoffe. Mit ihnen kann man eine Menge großartiger Dinge anstellen. Denn Kunststoffe lassen sich in die verschiedensten Formen bringen und sind sehr widerstandsfähig.

Jedes Jahr werden weltweit 200 bis 250 Millionen Tonnen Produkte aus Plastik hergestellt. Würde man die Gesamtmenge des bisher produzierten Plastiks zu Folie verarbeiten, ließe sich die Erde damit sechs Mal einwickeln.

Woraus besteht Plastik eigentlich?

Plastikflaschen
Viele Plastikverpackungen werden nur einmal benutzt und dann weggeworfen. (Bild: Steven Depolo/ flickr.com/ CC BY 2.0)

Plastik beziehungsweise Kunststoff wird fast immer aus sogenannten fossilen Rohstoffen hergestellt. Dazu zählen Erdöl, Erdgas oder Steinkohle. Fossile Rohstoffe sind so uralt wie Fossilien: Sie sind vor über 100 bis 150 Millionen Jahren entstanden. Damals sanken abgestorbene Algen und Plankton, winzige Meereslebewesen, auf den Meeresboden. An sehr tiefen Stellen ohne Strömung und Sauerstoff-Zufuhr entstand daraus ein sogenannter Faulschlamm. Darüber setzten sich Schichten von Sand und Kies ab, die sich zusammen mit dem Schlamm verfestigten.

Die Schichten wurden immer dicker und dicker, und übten immer größeren Druck nach unten aus. In einer Tiefe zwischen 1500 bis 4000 Metern fanden unter diesem Druck dann verschiedene chemische Veränderungen statt. Nach und nach wandelte sich dadurch die Masse aus Pflanzen- und Tierresten in zähflüssiges Erdöl um. Auf ähnliche Weise entstanden auch die anderen fossilen Rohstoffe. Je nachdem, wie sich Ausgangsmaterial, Druck und Temperatur unterschieden, wurde aus der Masse Gas oder Kohle.

Das Erdöl und andere fossile Rohstoffe, die wir heute nutzen, sind also uralte "Schätze". Es gibt sie nicht überall auf der Welt. Heute stammt ein Großteil des Öls aus Saudi-Arabien (12,9 Prozent der weltweiten Förderung 2014), aus Russland (12,7 Prozent) und den USA (12,3 Prozent). Viel Öl kommt aber auch aus China, Kanada, Iran und aus anderen Ländern des Nahen Ostens wie Irak, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Südamerika fördern zum Beispiel Mexiko und Venezuela, in Afrika Nigeria, in Europa Norwegen Öl.

Endliche Schätze

Obwohl jährlich riesige Mengen Plastik hergestellt werden, verbraucht die Kunststoffindustrie nur einen kleinen Teil des geförderten Erdöls – etwa 4 Prozent. Das liegt daran, dass noch viel größere Mengen für andere Zwecke gebraucht werden. Kohle, Gas und Öl liefern Energie. Der größte Teil wird verbrannt, um Strom und Wärme zu erzeugen. Oder Erdöl wird in Treibstoffe wie Benzin und Diesel umgewandelt, um Autos und LKWs zu bewegen.

Obwohl die Menschen erst seit rund 200 Jahren Fabriken betreiben und es erst seit etwa 100 Jahren Autos gibt, ist ein beträchtlicher Teil der fossilen Rohstoffe bereits verbraucht worden. Es gibt verschiedene Meinungen darüber, wie lange die Erdölreserven noch reichen. Klar ist aber, dass die Vorräte immer knapper werden – vor allem diejenigen Vorkommen, aus denen sich Öl noch recht unkompliziert fördern lässt. Daher versuchen Energieunternehmen zunehmend, auch an entlegenen Orten wie in der Arktis Öl zu finden. Die Förderung in solchen schwer zugänglichen Gebieten kann die Umwelt sehr belasten. Unfälle könnten zu einer ökologischen Katastrophe führen.

Wofür wird Plastik verwendet?

Bohrinsel
Plastik wird meist aus Erdöl hergestellt. Die Förderung ist aufwändig. (Bild: Divulgação Petrobras, ABr/ commons.wikimedia.org/ CC BY 3.0 BR)

Plastik ist so beliebt, weil Kunststoffe sehr gut anpassbar sind und deswegen für verschiedene Zwecke verwendet werden können. Zum Beispiel eine Plastikflasche: Sie ist gleichzeitig bruchfest, leicht und transparent. Zudem ist das Material sehr preiswert, vor allem wenn große Mengen der gleichen Gegenstände hergestellt werden.

Wegen dieser Eigenschaften umgibt uns Plastik überall im Alltag. Wir benutzen es für Gebrauchsgegenstände in Haus und Garten oder in Freizeit und Sport: Schlauchboote, Tennisschläger oder Spielzeug, Elektronik- und Elektrogeräte können ebenso aus Kunststoffen sein wie Kleidungsstücke. Aber auch in Bauteilen für Häuser, in der Kanalisation, in der Stromversorgung, für Transportmittel und 

Was ist das Problem an Wegwerf-Artikeln aus Plastik?

Am häufigsten wird Plastik für Verpackungen verwendet. Sie machen mehr als ein Drittel der Gesamtmenge der jährlich produzierten Kunststoffe aus. Jede und jeder Deutsche nutzt im Jahr rund 90 Kilogramm an Verkaufsverpackungen. Das meiste davon wird ein einziges Mal benutzt, aufgeschnitten und weggeworfen. Eine Plastiktüte wird im Schnitt gerade mal 25 Minuten lang benutzt. Das ist unglaublich kurz, wenn man bedenkt, dass sie aus einem Material hergestellt wurde, das in 150 Milliarden Jahren entstanden ist.

Das ist nicht nur schade, sondern kann auch Schaden anrichten. Nach dieser kurzen nützlichen Verwendung kann Plastik zu einer sehr langlebigen Belastung für die Umwelt werden. Landet Plastikmüll, wie eine Plastikflasche, in der Natur, beispielsweise im Waldboden oder im Meer, braucht er circa 450 Jahre, bis er wieder zersetzt ist. Das verursacht viele Probleme: Meerestiere und Vögel können kleine Plastikstückchen mit Nahrung verwechseln und daran verenden. Zudem enthält Plastik Giftstoffe, die in die Umwelt, in Wasser, Luft und Boden und auch in die Nahrungskette des Menschen gelangen können.

Statt für ein Wegwerfprodukt kann Plastik für viele sinnvollere, langlebige Produkte eingesetzt werden. In vielen Bereichen ist es kaum ersetzbar. Kurzum: Plastik kann zu einer Tüte verarbeitet werden, aber auch zu einem Herzschrittmacher.

Wie können wir Kunststoffe bewusster nutzen?

Ein Haufen schwarzgrauer Fossilien, große und kleine Steine.
Fossile Rohstoffe wie Erdöl und Steinkohle sind in Millionen von Jahren entstanden. (Bild: Daniel Deppe/ flickr.com/ CC BY 2.0)

Ein bewusster und sparsamer Umgang mit Plastik hilft, die Umwelt zu schonen. Eine Möglichkeit, den Rohstoff Erdöl zu schonen, ist Recycling. Die meisten der täglich genutzten Plastikprodukte wie Plastiktüten und andere Verpackungen sowie die meisten Spielzeuge bestehen aus sogenannten "Thermoplasten". Das sind Stoffe, die sich sehr gut wiederverwenden lassen. Thermoplaste lassen sich schmelzen und danach wieder in eine neue Form bringen. Dieses Verfahren wird beispielsweise bei PET-Getränkeflaschen angewendet.

Werden beim Einschmelzen jedoch Gegenstände aus unterschiedlichen Plastiksorten miteinander vermischt, nimmt die Qualität des Materials ab. Deshalb werden aus Recycling-Kunststoff auch oft einfache Gegenstände wie Parkbänke hergestellt.

2011 wurden in Deutschland 43 Prozent des Plastikmülls recycelt, obwohl noch viel mehr möglich wäre. 56 Prozent landeten in Müllverbrennungsanlagen, wo aus dem Plastikmaterial wieder Wärmeenergie und Elektrizität gewonnen werden. Nur noch sehr wenige Kunststoffabfälle landen in Deutschland auf Mülldeponien: 5 Prozent.

Durch das Recycling kann also ein Teil des Materials erneut verwendet werden, und bei der Verbrennung wird nutzbare Energie gewonnen. Beides schont andere Rohstoffe. Bei der Verbrennung von Plastik gelangt jedoch schädliches CO2 in die Erdatmosphäre und belastet das Klima. Deshalb ist Recycling vorzuziehen, auch weil dadurch Öl für neues Plastik gespart wird.

Was kannst du tun?

Für die Umwelt ist es allerdings am besten, so wenig Plastik wie möglich zu verwenden und Gegenstände aus Plastik lange zu benutzen, statt nach einmaliger Nutzung wegzuwerfen. Im Alltag gibt es viele einfache Möglichkeiten, um Plastikmüll zu reduzieren. Dabei können sogar Plastikprodukte helfen: Nutze zum Beispiel eine langlebige Brotdose statt Folie oder Tüten. Statt Plastik-Einkaufstüten kannst du Stoffbeutel benutzen. Beim Einkaufen im Supermarkt kannst du darauf achten, Produkte ohne unnötige Umverpackungen zu kaufen. Nimm zum Beispiel loses Brot, Obst und Gemüse statt in Folie eingeschweißte Produkte. So zeigst du auch den Händlerinnen und Händlern, dass du dir weniger Verpackungen wünschst.

Das Recycling kannst du unterstützen, indem Du sorgfältig den Müll trennst. Entferne zum Beispiel den Aludeckel von Joghurtbechern. So hilfst Du den Sortiermaschinen, Plastik zu erkennen. Wo es Alternativen zu Plastik gibt, kannst Du ein anderes Material wählen – Verpackungen aus Papier statt Plastik, Holzspielzeug statt Plastikspielzeug.