01. Oktober 2014 Tiere

Zugvögel unterwegs: Wer trötet da?

Wenn Du im Herbst von oben ein lautes Tröten oder Quäken hörst, dann schau mal an den Himmel! Viele Zugvögel sind nun auf dem Weg in den wärmeren Süden. Oft kannst Du Kraniche oder Wildgänse bei der Rast oder im Flug beobachten. Ein paar Tipps helfen Dir, sie zu unterscheiden.

Die Zugvögel nehmen jedes Jahr einen weiten Weg auf sich. Die meisten Arten fliegen viele tausend Kilometer. Sicher weißt Du, dass Vogelarten wie Weißstörche oder Rotkehlchen bei uns in Deutschland leben. Den Winter aber verbringen die Störche meist in Afrika. Und die Rotkehlchen fliegen ans Mittelmeer!

Die Vögel tun dies, weil sie sonst verhungern würden: Die Kälte, der Schnee und die Kürze der Tage machen es vielen Arten schwer, Nahrung zu finden.

Wer fliegt wann?

Von September bis Anfang November kannst Du den Vogelzug besonders gut beobachten, weil einige Arten dann tagsüber unterwegs sind. Dazu gehören Kraniche, Wildgänse, Rotkehlchen oder Buchfinken. Sie sind sogenannte Kurz- und Mittelstreckenzieher. Sie fliegen nach Südwesteuropa oder in die Gebiete um das Mittelmeer und kehren schon im Februar zurück.

Manche Kraniche machen auch Rast in Hessen, zum Beispiel im Amöneburger Becken oder an den Flüssen Ohm und Lahn.

Kraniche rasten im Oktober bis Anfang November vor allem im Norden Deutschlands. Wenn sie morgens losfliegen, überfliegen sie am Nachmittag und abends auch Hessen. Dabei ziehen sie bevorzugt entlang der Flusstäler Mittelhessens und erreichen die Auen von Main und Rhein. Sie fliegen etwa 50-70 Kilometer pro Stunde.

In den Rheinauen in Südhessen zwischen Kühkopf und Trebur kannst Du im Spätherbst auch Gänse beobachten, die auch Zugvögel sind, aber bei uns überwintern! Sie kommen aus Gegenden in Nordeuropa, in denen es noch viel kälter wird als bei uns. Die Wintermonate verbringen sie in den Sumpfgebieten des sogenannten Hessischen Rieds. Dort kannst Du verschiedene Gänsearten entdecken: Graugänse, Saatgänse oder Blässgänse. Manche kommen aus Nordskandinavien, andere aus Russland.

Wie unterscheide ich Kraniche von Gänsen?

Aus der Ferne sehen sich ziehende Kraniche und Wildgänse auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Beide fliegen in sogenannten Keil- oder V-Formationen. Dabei nutzen sie den Windschatten des Tieres vor ihnen, um Kraft zu sparen. Der Vogel an der Spitze wechselt regelmäßig, damit auch er sich ausruhen kann.

Wenn Du Gefieder, den Flug und die Laute der Vögel aufmerksam beobachtest, kannst du Kraniche und Wildgänse gut unterscheiden:

- Die Flügel der Kraniche haben mit 180 bis etwa 220 Zentimetern eine größere Spannweite als die der Wildgänse.

- Wenn Du das von Weitem nicht erkennen kannst, achte auf die Beine der Vögel: Die langen Beine der Kraniche ragen über die Flügel hinaus.

- Im Flug legen Kraniche häufig kurze Segelphasen ein. Das heißt, sie hören auf, mit den Flügeln zu schlagen und lassen sich vom aufsteigenden Wind treiben. Wildgänse machen das nicht.

- Auch an den Rufen kannst Du die Vogelarten unterscheiden: Kranichrufe ähneln dem Klang einer lauten Trompete, während Gänse, je nach Art, quäken oder quieken.

Bitte nicht erschrecken!

Graugänse bei der Rast
Graugänse bei der Rast (Bild: Daniel Ullrich/flickr.com/CC BY-SA 2.0)

Wenn Du rastende Zugvögel beobachtest, halte Abstand und verhalte Dich ruhig! Denn wenn Menschen zu nahe kommen, schlagen einige Tiere Alarm und der ganze Schwarm fliegt auf. Das kostet die Tiere Kraft! Wenn sie häufig aufgeschreckt werden, schrumpfen ihre Fettvorräte und sie haben möglicherweise nicht genug Energie für die weiten Flüge.

Eine Übersicht mit Veranstaltungen zur Kranichbeobachtung findest Du unter auf der Internetseite des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

Insgesamt erstreckt sich die Zeit des Vogelzugs von Mitte Juli bis Dezember. Das heißt, manche Arten fliegen sehr früh los, andere wiederum erst im Spätherbst. Der Weißstorch, der Kuckuck und die Nachtigall zum Beispiel fliegen schon im Sommer Richtung Süden. Denn sie haben einen weiten Weg vor sich: Sie fliegen bis nach Afrika. Daher werden sie als Langstreckenzieher bezeichnet. Da die meisten Arten nachts und einzeln fliegen, lassen sie sich nicht so gut beobachten.

Außer den hier beschriebenen Vogelarten sind noch mehr Zugvögel unterwegs. Welche das sind, kannst Du in einem anderen Artikel bei ÖkoLeo nachlesen. Dort ist auch beschrieben, wie die Vögel sich orientieren.