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Artensterben: Droht ein Ende der Vielfalt?
Im Verlauf der Erdgeschichte sind immer wieder Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, neue Arten kamen hinzu. Das sicherlich bekannteste Beispiel ist das Aussterben der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit.
Bild: Alexander Stahr
Der Wolf ist eine gefährdete Tierart.
Das größte Artensterben* in der Erdgeschichte fand vor 250 Millionen Jahren an der Grenze zwischen Erdaltertum (Paläozoikum) und Erdmittelalter (Mesozoikum) statt. Über 95 Prozent aller Arten starben damals aus. In Zuge der Evolution gingen 48 Mal bis zu 90 Prozent aller Arten in geologisch sehr kurzer Zeit zugrunde. Geologisch sehr kurz sind zum Beispiel einige tausend Jahre.

Biodiversität
Die Vereinten Nationen (UN) haben sich im Jahr 2002 darauf geeinigt, bis zum Jahr 2010 den Artenschwund zu stoppen. 2010 ist daher das Internationale UN-Jahr der Biologischen Vielfalt oder Biodiversität.
Über die Ursachen der großen Artensterben weiß man nichts Hundertprozentiges. Die Dinosaurier sollen durch den Einschlag eines riesigen Meteoriten ausgestorben sein. Auch Vulkanausbrüche und andere Naturkatastrophen wurden und werden als Ursache diskutiert. Vielleicht kamen mehrere Ereignisse zusammen. Und je weiter ein Artensterben zurückliegt, desto weniger weiß man über die Gründe.
Der Mensch als Naturkatastrophe
Bereits im Mittelalter hat der Mensch durch die großen Waldrodungen großflächig Lebensräume von Pflanzen und Tieren verändert. Im Rahmen der zunehmenden Besiedlung wurden vermeintlich gefährliche Tiere und Nahrungskonkurrenten, wie beispielsweise Bär und Wolf verfolgt und ausgerottet.
Sogar noch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Tasmanische Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) durch dieses Konkurrenzdenken vom Menschen ausgerottet. Es gab sogar ein Kopfgeld für erlegte Tiere, weil sie Schafe rissen, wobei in vielen Fällen verwilderte Hunde die Täter waren. Tierarten, die angeblich gefährlich oder einfach nur unbeliebt sind wurden konsequent verfolgt und waren daher vom Aussterben bedroht. Nur Tiere mit viel Überlebenstricks und hoher Fortpflanzungsrate sind nicht auszurotten. Etwa Ratten, Kaninchen und Mäuse.
Andere Tiere jagt man, weil sie als Delikatesse gelten oder etwas an sich haben, das wertvoll ist. So zum Beispiel das Elfenbein der Elefanten. Pflanzen werden in der Natur ausgerottet, weil Sammler viel Geld dafür ausgeben. Der berühmte Goldkugelkaktus, auch Schwiegermutterstuhl genannt, ist solch eine Pflanze. Der Kaktus wird wie viele andere Sammlerpflanzen zwar weltweit in Massen gezüchtet, doch ein Exemplar vom heimatlichen Standort ist bei Sammlern natürlich viel begehrter.

Elfenbein
Die Stoßzähne von Elefanten bestehen aus Elfenbein, aber auch die Zähne von Nilpferden, Wildschweinen, Walrossen, Pottwalen und Narwalen. Elfenbein war ein begehrter Rohstoff. Etwa für Billardkugeln, Kunstgegenstände, Schmuck oder Klaviertasten. 1989 wurde der Handel mit Elfenbein weltweit eingeschränkt, weil Elefanten und andere Tiere durch Wilderer fast ausgerottet wurden. Heute nimmt man zur Verarbeitung Mammutelfenbein, da diese Tiere längst ausgestorben sind.
Bild: Alexander Stahr
Der Schwiegermuttersessel (Echinocactus grusonii) ist vom Aussterben bedroht. In Gärtnereien und auf Fensterbänken gibt es heute mehr Exemplare als in der Natur.
Tiere und Pflanzen sind insbesondere auch dadurch bedroht, weil sich ihre Lebensräume verändern oder immer kleiner werden und zusätzlich immer mehr Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Dies gilt speziell für Inseln, die keine Rückzugsgebiete aufweisen.Auch sind manche Tiere auf ganz spezielles Futter oder spezielle Beute angewiesen. Würde beispielsweise der Eukalyptusbaum aussterben, verschwände auch der Koala.
Gute und schlechte Seiten
Nun haben viele Dinge zwei Seiten: eine gute und eine schlechte. Blickt man in die Erdgeschichte zurück, dann hatten auch die großen Artensterben eine gute Seite. Sogar zwei. Die eine gute Seite: Mit dem Massensterben bekamen andere Tiere und Pflanzen endlich ihre große Chance. So etwa die Säugetiere nach dem Verschwinden der Dinosaurier. Mit dem Ende der Dino-Ära begann ihr Siegeszug. Die zweite gute Seite: Ohne Artensterben oder Massensterben gäbe es den Menschen nicht. Die Evolution wäre völlig anders verlaufen.
Da stellt sich natürlich die Frage, warum Naturschutzorganisationen, die Vereinten Nationen (UN) und viele große und kleine Menschen das vom Mensch verursachte Artensterben so negativ sehen. Würden in näherer Zukunft 90 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aussterben, hätten doch andere wieder einmal ihre große und einmalige Chance.
Schlecht für den Menschen
Du kennst sicherlich den Spruch „vor mehr als 65 Millionen Jahren beherrschten die Dinosaurier die Erde“. Heute beherrscht sie der Mensch, was Eingriffe in die Natur betrifft. Doch gegen Naturgewalten wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche ist auch der Mensch machtlos. Alle Lebewesen auf der Erde benötigen für ihre Existenz eine intakte Umwelt.
Bild: Alexander Stahr
Der Berberaffe (Macaca sylvanus) ist eine von unzähligen bedrohten Tierarten.
Zum einen wäre da die schlichte Verarmung der Landschaften an Tieren und Pflanzen. Es wäre doch langweilig, wenn weit und breit nur noch zehn verschiedene Pflanzen wachsen würden. Und: Je weniger Arten auf einem Flecken leben, desto anfälliger sind sie gegegenüber gefährlichen tierischen oder pflanzlichen Einwanderern, Schädlingen und Krankheiten.
In den tropischen Wäldern gibt es noch viele unbekannte Pflanzen und Tiere. Unter ihnen befinden sich vielleicht Exemplare, die von großem medizinischen Nutzen sein können. Durch die Vernichtung der Lebensräume verschwinden sie für immer, ehe man sie kennt.
Der Mensch besiedelt große Gebiete der Erde und durch die Emission von Schadstoffen beeinflusst er auch menschenleere Regionen. Vor Millionen von Jahren konnten die Säugetiere sich noch über den ganzen Globus ausbreiten und ihre Chancen nutzen. Heute ist in vielen Regionen eine Ausbreitung nur noch von Arten möglich, die mit dem Menschen existieren können wie beispielsweise Insekten oder auch Ratten, Füchse und andere so genannte „Kulturfolger“.

Kulturfolger
Damit bezeichnet man Tiere und Pflanzen, die durch den Eingriff des Menschen in die Natur Vorteile haben. Werden zum Beispiel große Waldflächen durch Rodung in Wiesen und Äcker umgewandelt, siedeln sich Tiere wie Feldhase, Feldhamster oder Rebhuhn an. Mäuse leben in landwirtschaftlichen Gebäuden und Ratten besiedeln die Kanalisation.
16.000 bedrohte Tier- und Pflanzenarten
Dass Arten aussterben und viele davon bedroht sind, ist eine Tatsache. Und dass etwas dagegen unternommen wird ist wichtig. Doch Panikmache ist fehl am Platz. So geistert seit dem Treffen der Umweltminister der G8-Staaten im Jahr 2007 in Potsdam die Aussage umher, dass jeden Tag bis zu 150 Arten aussterben. Man schätzte die Zahl der Tiere pro Fläche und verglich sie mit der Fläche gerodeten Urwalds.Das wären, legt man 150 Arten zugrunde, zum Beispiel in 20 Jahren über eine Million Arten. Diese Zahl beruht auf der Vermutung, dass in den Urwäldern sehr viele Arten, vor allem noch nicht entdeckte Insekten leben.
Bild: Herbert Funk
Eisbären wie dieser auf Spitzbergen sind streng geschützt.
Der Haken: Niemand kennt die Gesamtzahl (geschätzte Zahl liegt über 10 Millionen) der Arten auf der Erde und somit auch nicht die Zahl der verschwundenen und damit für den Menschen verlorenen Arten. Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion sind auf der ganzen Welt von den 40.000 bewerteten Arten mehr als 16.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Demnach ist zum Beispiel ein Viertel aller Säugetier- und Nadelbaumarten vom Aussterben bedroht. Jede achte Vogelart ist ebenfalls stark gefährdet.
Aus all diesen und noch vielen anderen Gründen haben sich die Vereinten Nationen (UN) im Jahr 2002 darauf geeinigt, bis zum Jahr 2010 den Artenschwund zu stoppen und dieses Jahr zum internationalen UN-Jahr der Biologischen Vielfalt zu erklären. Im Jahr 2008 hat die Bundesregierung inzwischen die Initiative "LifeWeb" zur Finanzierung weltweiter Schutzgebiete ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2012 sollen rund 500 Millionen Euro dazu zur Verfügung gestellt werden.



